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Ängste und depressive Stimmung

29. Dezember 2015 um 15:24 Letzte Antwort: 31. Dezember 2015 um 0:29

Hallo meine Lieben,
dieser Beitrag ist etwas länger, aber ich konnte es nicht kürzen, weil für mich jedes Detail wichtig ist, um alles zu verstehen. Ich hoffe es nimmt sich trotzdem jemand die Zeit, meinen Beitrag zu lesen.
Ich bin 18 Jahre alt und mache im Moment mein Abitur.
Vor etwa drei Jahren fing alles an. Ich besuchte damals noch eine andere Schule, als heute und aus einem für mich bis heute unerklärlichen Grund wollte auf einmal niemand mehr etwas mit mir zu tun haben. Ich wurde von meinen Freunden ausgeschlossen und war sehr einsam. Ich habe mich dazu immer gefragt, was ich falsch gemacht haben könnte, weil ich eigentlich ein sehr sozialer Mensch bin, der es am liebsten allen recht machen würde. Das alles ging sogar so weit, dass im Klassenraum mein Tisch (ein Einzeltisch) jeden Morgen ganz allein vor dem Lehrerpult stand und ich später herausfand, dass eine meiner damaligen Freundinnen ihn jeden Morgen dort hingestellt hat. Ich verfiel mit der Zeit immer mehr in Selbstzweifel, begann mich Tag für Tag in mein Bett zu verkriechen und bekam eine problematische Einstellung zum Essen. Ich aß nicht nichts, aber sehr wenig und es war mir sehr wichtig möglichst wenig zu wiegen, um vielleicht bestmöglich irgendwann ganz zu verschwinden. Meine Eltern bekamen das alles zunächst nicht richtig mit, doch als sie es mitbekamen schenkten sie mir ganz viele Sachen in der Hoffnung das würde meine Probleme lösen.
Irgendwann war zum Glück der Zeitpunkt, an dem ich die Schule gewechselt habe. Es wurde alles besser, aber meine schwierige Einstellung zum Essen leider nicht...Ich traue mich bis heute nicht in der Öffentlichkeit (besonders fettige Sachen) zu essen, geschweige denn sie mir zu kaufen. Wenn ich mit meiner Familie oder Freunden auf den Weihnachtsmarkt gehe, bin ich immer die einzige die nichts isst und meine Ausreden sind dann meist ich hätte keinen Hunger oder ich hätte Bauchschmerzen. Mittlerweile haben sich meine Ängste derartig ausgeweitet, dass ich mich aus dem sozialen Leben förmlich ausschließe, nicht mehr zu Geburtstagsfeiern (auf die ich mich eigentlich gefreut habe) gehe, weil die Angst, es könnte etwas Unangenehmes geschehen einfach zu groß ist. Wenn ich mich in größeren Menschenmengen aufhalte, fängt mein Herz an zu rasen und ich bekomme Schnappatmung. Ich kann mir nicht erklären, warum es genau jetzt alles so schlimm geworden ist.
Zu all dem kommt noch dazu, dass sich mein Freund vor zwei Monaten von mir getrennt hat und er der einzige war, der von meinen Problemen wusste und sich immer um mich gekümmert hat, aber es wurde alles zu viel für ihn, weil er irgendwann mehr meine Seelsorge als mein Freund war. Außerdem habe ich die Angewohnheit Wichtiges zwanghaft in meinem Leben zu entfernen, um mich selbst zu verletzen. Ich zettelte ständig einen neuen Streit mit ihm an, weil ich mir das Glück mit ihm nicht gönnen wollte. Er hat jetzt eine neue Freundin und ich kann ihm nichts vorwerfen, aber die Gewissheit, dass ich jetzt niemandem meine Probleme anvertrauen kann macht mich vollkommen fertig und ich bin seit 2 Monaten in dieser depressiven Stimmung gefangen. Ich habe auf nichts mehr Lust, bin nur noch müde und antriebslos.
Meine Eltern nehmen mich nicht wirklich ernst. Sie meinen ich muss mich nur anstrengen und es wollen, dann bekomme ich das alles in den Griff, aber genau das versuche ich seit 3 Jahren. Außerdem halten meine Eltern nicht viel von psychologischer Hilfe und meinen immer es gäbe Menschen auf der Welt die haben viel größere Probleme... das weiß ich auch und dieser Gedanke hält mich immer wieder davon ab mir Hilfe zu holen.

Ich würde mich sehr freuen, wenn sich jemand dazu äußern könnte und ich ein bisschen Feedback bekommen könnte. Ich fühle mich im Moment sehr einsam und unverstanden.

Vielen Dank schon mal im Voraus!
Liebe Grüße

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31. Dezember 2015 um 0:29

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Hi Lenelle,

wenn man sich deinen Text durchliest sieht man einen Faden, der bei deiner alten Schule anfängt und sich dann immer weiter durchzieht und immer schlimmer wird.
Das siehst du ja auch so, deswegen hast du es schließlich so aufgeschrieben
Wahrscheinlich haben dich die Geschehnisse an deiner alten Schule so sehr verletzt und an dir selber zweifeln lassen, dass du mittlerweile kaum noch Selbstbewusstsein hast. Wie denn auch, diese Kinder damals haben es dir schließlich böswillig weggenommen.
Wegen deinen Selbstzweifeln traust du dich also nicht mehr in der Öffentlichkeit fettiges Essen zu essen, weil du denkst jemand könnte dich beobachten und sich etwas denken.
Auf Geburtstagsparties könnte dich jemand etwas unangenehmes fragen, du könntest in die Situation kommen dass du irgendetwas machen musst wo man sich blamieren kann (bei einem Spiel, beim tanzen und so weiter) und vielleicht hast du schon Bange bei dem Gedanken, dass dich allgemein Leute schief angucken oder beobachten könnten.

So stelle ich mir zumindest deine Situation gerade vor, wenn man sich das durchliest sieht man schnell dass das alles von fehlendem Selbstbewusstsein kommt.
Denn Mädchen, sind wir mal ehrlich: Wir beide wissen doch, dass uns kein Mensch auf dem Weihnachtsmarkt beobachtet wenn wir in eine saftige Bockwurst oder ähnliches reinbeißen
Ich als Sportler kriege auch direkt Sprüche ab wenn ich mal eine Pizza oder etwas fettiges esse, als schlankes Mädchen kann dir das auch passieren. Was ich dann mache? Mit einem Spruch erwidern! Wir beide können es uns schließlich leisten mal etwas fettiges zu essen, die anderen sind doch sowieso schon dick
Also hab kein schlechtes Gewissen wenn du dir mal etwas leckeres gönnst. Natürlich ist deine Schlankheit auch wegen deinem kleinen Essproblem da, aber der wird auch bald weg sein.
Denn das klingt zwar komisch, aber es gibt zwei Arten von Frauen: Die, die bei Problemen alles in sich hineinstopfen (an Essen), und die, die kaum noch etwas essen.
Sobald das Problem dann weg ist, essen beide Typen wieder ganz normal. Also husch husch, krieg bald wieder dein Selbstvertrauen

Die Sache mit den Partys ist ähnlich, wobei hier tatsächlich mal Blicke von Leuten kommen können. Dumme Weiber können tuscheln (machen die ja sowieso) und wenn man peinlich tanzt, dann tanzt man peinlich
Aber auch da gibt es Abhilfe. Wichtig ist bei Partys, dass man da nicht alleine, sondern mit Freunden oder einer Freundin hingeht. Dann ist man immer zu zweit/in einer Gruppe und somit mit den Gedanken nur beim Spaß, nicht bei den fremden Leuten.
Es ist doch auch bescheuert bei einer Party die ganze Zeit nachdenken zu müssen wie man wohl gerade rüberkommt, also mach es auch nicht!

Übrigens, warum gehen diese Gedanken und das Problem mit Selbstvertrauen doppelt weg?
Erstens sind einem solche Blicke und Meinungen der anderen natürlich ziemlich egal wenn man Selbstbewusstsein hat.
Und zweitens, und das ist ziemlich wichtig, strahlt man Selbstbewusstsein auch aus(!). Wenn du selbstbewusst bist, dann nehmen dich die Leute viel positiver wahr (du bist ja dann auch positiver ), also haben die noch weniger Grund dich blöd anzugucken, selbst wenn du immer noch peinlich tanzen solltest .


Aufgrund deiner Trennung bist du ja jetzt auch noch depressiv, was die Sache schwieriger macht.
Um Selbstbewusstsein zu bekommen ist nämlich sehr viel Motivation nötig. Du musst es wirklich wollen, dich im Spiegel angucken und toll finden, deine positiven Eigenschaften angucken und dich toll finden, du musst dir überlegen wie du bei anderen rüberkommst und denken: "Wow ist die gut, attraktiv, intelligent, hilfsbereit" und so weiter

Dafür kann es sich auch durchaus lohnen zu einem Psychologen zu gehen, denn: schaden kann es nie!
Also kannst du hier mal deine Eltern überreden


So, das war erstmal genug Text von mir, du kannst gerne darauf antworten was du darüber denkst oder mehr über deine Situation schreiben, dann können ich und die anderen hier dir vielleicht noch mehr Tipps geben

Und feier bloß schön Silvester, falls du dafür auf eine Feier o.ä. gehst: Überleg dir vorher was du diesmal besser machen willst (z.B. offener oder lockerer sein) und übe es da

Liebe Grüße

With

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