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Forum / Psychologie & Persönlichkeit

Angst vor Krankheiten und das Gefühl, "erdrückt" zu werden

Letzte Nachricht: 3. November um 10:33
L
lisa1701
01.11.22 um 10:03

Hallo ihr Lieben. 
Momentan geht es mir (w,25) innerlich und stressbedingt ziemlich schlecht. Ich hatte vor ein paar Wochen einen One-Night-Stand (bin single) und habe seit dem nicht einen Tag gehabt, an dem es mir richtig gut ging. Ständig mache ich mir Sorgen um Krankheiten und bilde mir Symptome ein, hatte ganze 3 Wochen auch extrem Angst vor z.B. HIV, aber habe mich auch von meiner Frauenärztin durchchecken lassen und sie meinte, es ist nichts zu finden. 
Nun habe ich vor 2 Wochen eine Arzt-Serie geschaut (The Good Doctor), weil ich die Story dahinter so interessant fand. Aber mittlerweile denke ich, das war wohl der größte Fehler, den ich in der Situation hätte machen können, da ich seitdem permanent Angst habe, einen Gehirntumor oder so was zu haben und mich so gestresst fühle wie noch nie. Ich fühle mich teilweise gar nicht mehr richtig wie ich selber und als wäre mir permanent irgendwie schwindelig, versuche die ganze Zeit, mich abzulenken durch Comedy-Filme schauen oder lesen, gehe natürlich auch trotzdem zur Arbeit und probiere auch so gut es geht, mir die ganze Zeit zu sagen, dass ich gesund bin und alles okay ist. Habe schon Videos geschaut gegen Angst und Panikattacken usw und möchte auch nochmal Meditation ausprobieren. Letzte Woche hatte ich nun auch noch meine Periode und da war mir natürlich wegen den Hormonen und starken Schmerzen schon teilweise schwindelig, was aber nun irgendwie auch nicht mehr weggegangen ist, weil ich mir selber auch die ganze Zeit sage, dass mir schwindelig ist. 

Jetzt war ja langes Wochenende und ich habe gemerkt, dass mir das richtig gut getan hat und ich würde gerne für Ende November Urlaub beantragen, denn den hatte ich dieses Jahr auch noch gar nicht richtig und bis Ende Dezember kann ich, glaube ich, nicht mehr unbedingt warten. 
Will mir nun auch gerne einen Psychologen suchen, weil ich merke, dass auch meine Mutter und Freundinnen sich langsam keinen Rat mehr wissen. Aber das Problem ist ja auch, dass man, selbst wenn man jemanden findet, der/die noch neue Patienten annimmt, mindestens ein Jahr darauf warten kann, bis man in Behandlung kommt. Dabei würde mir ja 1x die Woche z.B. über Webcam ein Gespräch schon ausreichen, wenn es mir wirklich hilft. 

Ich muss dazu sagen, dass ich als Kind schon einmal in Therapie war, in einer Klinik und ich da auch gelernt habe, negative und falsche Gedanken zu überwinden. Aber die letzten paar Monate ist bei mir so extrem viel passiert, dass mein Körper mittlerweile einfach eine Grenze zieht und mein Kopf überläuft. 

Habt ihr einen Rat für mich, um diese Ängste und ggf. Wahrnehmungsstörungen zu bewältigen?

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R
roterregen
03.11.22 um 9:17

Hallo Lisa,

also, das mit der Wartezeit für Gesprächstherapien ist unterschiedlich. Ich hatte schon mehrmals neue Therapeut*innen gesucht, meist wegen Stadtwechsel, und hatte nie lange warten müssen. Auf jeden Fall ist das ein sinnvoller Schritt, jemanden zu konsultieren bzw. regelmääßig Gespräche zu führen.

Ansonsten würde ich sagen, dass du in einem Lernprozess steckst, wenn man so will. Angst und Panik schieben nach einem One-Night-Stand und die Arztbesuche infolge dessen, haben dir offenbar eine deiner Grenzen gezeigt, die du offenbar missachtest hast. Das ist nur verständlich, dass du dich schlecht fühlst. Würde mir gar nicht anders gehen.

Tipps was Ängste überwinden bzw. stoppen angeht, kann ich dir etwas schicken. Links (Technische Universität Darmstadt) darf ich hier nicht posten, außerdem wäre das weitere, was ich dir empfehlen kann, quasi Werbung laut den Regeln hier. Kannst ja mal schauen, ob da etwas für dich infrage kommt.

Viele Grüße

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S
sisteronthefly
03.11.22 um 10:33

Hallo, 

eine Klinik steht dir immer offen, wenn du der Meinung bist sofort Hilfe zu benötigen. Das ist völlig in Ordnung, dafür sind sie gemacht. Alternativ stünde eventuell Tagesklinik zur Wahl. Vorher ist es allerdings wichtig, dass du zu deinem Hausarzt gehst, ihm deine Situation schilderst und er dich untersucht. Das heißt nicht auf einen Hirntumor oder HIV. Er untersucht dein Blut und schaut, ob es eine organische Verursachung geben könnte für deine Panikattacken. Das könnte die Schilddrüse sein oder Vitamin B12 Mangel zum Beispiel. Dies ist ein ganz normales Vorgehen in dieser Situation. Sobald der Hausarzt auch sagt, es ist alles in Ordung kannst du verschiedene Therapeuten anrufen. Schildere dein Problem und das du zügig Hilfe benötigst. Lass dich auf die Warteliste setzen. Manchmal springt jemand ab und du rückst vor. 

Das Gefühl, dass du dich nicht wirklich fühlst nennt sich Depersonalisation und ist eine Art der Wahrnehmungsstörung. Das kann soweit gehen, dass du alles an dir fremd oder unwirklich empfindest. Das können deine Gedanken sein, es kann auch dein Körper sein. Manchmal wird die Depersonalisation auch von einer Derealisation begleitet. Das betrifft dann eine nicht wirklich wahrgenommene Umwelt. Das kann dann sein, du hast ein gedämpftes Gefühl. Wie wattiert oder du würdest dich unter einer Glocke befinden. 

Das macht Angst, weil du denkst mit dir stimmt etwas nicht und die diese Symptome zusätzlich ängstigen. Depersonalisation tritt oftmals in Verbindung mit Panikattacken auf. Wichtig ist, den Stresslevel zu reduzieren. Versuche es bitte nicht mit Meditation. Bei der Meditation liegt der Fokus auf deinen Gedanken, das kann Panikattacken fördern. Probiere es gerne mit Progressiver Muskelentspannung, sie triggert keine Gedanken.  

Sobald du spürst das es wieder losgeht und die Ängste zunehmen kannst du eine Atemtechnik anwenden. Atme 4 Sekunden die Luft ein, halte 6 Sekunden die Luft an und ateme 8 Sekunden aus. Du kannst dich dabei auf den Boden, z.B. einen Teppich legen. So hast du eine Erdung, atme dabei ruhig und gleichmäßig mit der obigen Technik. Du könntest auf ätherische Öle zurückgreifen, z.B. Neroli von Primavera. Dieses Öl auf einen Tupfer aufgetragen wirkt sehr entspannend auf das Nervensystem. Wenn du merkst, dass Gedanken aufkommen, die dich ängstigen kannst du dich leicht kneifen und laut Stopp sagen. Es geht nicht darum, dich zu verletzen sondern darum die Gedanken zu unterbrechen. Um das Unwirklichkeitsgefühl zum beenden kannst du stärkere Reize verwenden. Beiß in eine Zitrone oder nimm ein extrasaures Kaugummi, du könntest auch einen kleinen Klecks Wasabi zu dir nehmen (vorsicht sehr scharf). Eine kleine Auswahl an Skills. Es gibt noch weitere, die du in einer Therapie lernst. Mit den kleinen Mitteln, die ich dir genannt habe könntest du dir vielleicht jetzt schon selbst helfen. 

Generell könntest du mehr Achtsamkeit in dein Leben integrieren. Das gehört auch, was du dir im Fernsehen anschaust. Dazu gehört, was du zu dir nimmst. Versuche dich möglichst bewusst zu ernähren und vernachlässige auch die Bewegung nicht. Magst du gerne laufen, fahrrad fahren oder lieber Fittness Studio. Wichtig ist, dass du angestaute Energie, bzw. Anspannung auf gesunde Art los wirst. 

LG Sis


 

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