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Angst vor dem Glücklich Sein - vor dem Vollkommen Sein

10. August 2011 um 8:27 Letzte Antwort: 18. August 2011 um 21:22

Hört sich idiotisch an, zweifellos. Aber ich persönlich traue im Moment weder dem Glück noch mir selber über den Weg. In meinem Leben ist das erste Mal seit langen gerade alles so wunderbar, und damit kann ich so überhaupt nicht umgehen. Ich suche nach dem Hacken, versuche mein Glück von dem richtigen zu Unterscheiden und sage mir die ganze Zeit; ,,Du wirst den Fehler schon noch finden! Ich versuche mein Glück zu testen, und bin mir sicher dass ich schon recht bald alles kaputt machen werde. bei mir potenzierte sich jedes ankommende Gefühl, ob positiv oder negativ, innerhalb von kürzester Zeit zu einem Drama.. Ich werde sehr schnell wütend, traurig überdreht und laut. Es ist anstrengend für mein Umfeld, zweifellos, aber es ist vor allem anstrengend für mich selber. Gefühle sind Stress. Natürlich ist man sich darüber einig, dass Trauer, Schmerz und Enttäuschung sehr, sehr schlimm sind. Das weiss jeder. Aber auch Glück ist anstrengend. Ich finde gerade nichts frustrierender als alles zu haben was man sich immer wünschte. Vielleicht liegt es aber auch daran dass ich mein ganzes Glück an einer Person festgemacht zu haben scheine und jetzt panische Angst davor habe diese Person zu verlieren welche im Moment die einzige Stabile Säule in meinen Leben ist. Ich bin wirklich unbeirrt darin, diese Person nie für das Glück und Unglück meines Lebens verantwortlich zu machen, denn ich bleibe weiter selbst für mein Leben und mein Glück verantwortlich. Und wenn ich irgendwann einmal zu einer Randerscheinung in seinem Leben werden sollte, weil sich die Umstände ändern, ihn etwas anderes gefangen dann werde ich mich natürlich bemühen, dass mir das aufgeht, was ich benötige, um mein Leben alleine zu meistern. Und das sage ich jetzt, mit Entschiedenheit, aber auch mit zittern. Jedenfalls habe ich das Gefühl im Moment mein Leben, so wunderbar es auch ist, gar nicht geniessen zu können aus lauter Angst dieses wunderbare wieder zu verlieren. Das Leben im jetzt, scheint mir unmöglich zu sein und an diesem Unvermögen zerbreche ich beinahe

Kann sich jemand damit identifizieren?

Sehnsucht91

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18. August 2011 um 13:37

Hallo Sehnsucht91
Ich erkenne mich in dem was du hier geschreiben hast wirklich sehr gut wieder.
Derzeit ist es bei mir ähnlich, ich hab einen Mann kennengelernt mit dem ich eigentlich total glücklich sein könnte. Es gab einen einzigen Tag an dem ich mich wirklich getraut habe einfach mal glücklich zu sein. Es war toll mal nicht alles und jeden anzuzweifeln, alles zu hinterfragen, nicht ständig mit aber.... anzufangen sondern einfach mal nur das Gefühl das verliebt seins zu genießen.
Bisher habe ich alles, ob auf kurz oder lang, mit meinen Zweifeln zu nichte gemacht.
Gut ich muss dazu sagen dass ich unter Depressionen leide, schon seit ich geboren bin und ich einfach nicht fähig bin solche Gefühle zuzulassen. Ich weis einfach nicht damit umzugehen und meine immer ich habe das nicht verdient, warum soll gerade mir so ein Glück widerfahren.
Vielleicht habe ich einfach Angst solche Gefühle zuzulassen weil ich genau weiß wie schmerzhaft es erst ist enttäuscht oder in seinen Gefühlen verletzt zu werden. Das würde mich in ein riesen Loch fallen lassen aus dem ich nur schwer wieder alleine rauskommen würde.
Gerade bemühe ich mich wirklich nicht ständig an allem zu zweifeln da ich ihn einfach nicht verlieren will, es ist nur so verdammt schwer. Jeden Tag warte ich nur förmlich darauf dass ich enttäuscht werde und ich Recht hatte damit dass es ja doch nichts wird.
Dabei wünsche ich mir nichts sehnlicher als einfach nur glücklich zu sein und mich über meine Gefühle und den tollen Mann an meiner Seite zu freuen.......

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18. August 2011 um 21:22

Snowrose88
Habe mich über deine Zeilen gefreut. Ich leide auch unter Depressionen und auch bei mir wird das ein Faktor sein der dazu beiträgt die positiven Gefühle nicht wirklich zulassen zu können.

Ich versuche alles um nicht in die Hände der Liebe zu fallen. Ich lebe vorsichtig, abwägend, zurückhaltend, wie ein schon oft verwundeter. Wie einer der das tiefe Wasser erst erprobt. Ich ahne dass es schrecklich wäre, in die Abhängigkeit zu fallen, von ihr heesucht zu werden und nicht mit ihr umgehen zu können. Ich habe es oft genug gesehen: Diese Verzerrung des Menschen, der sich selbst aufgibt, der zu fliegen beginnt, dem das Glück aus der Augen sieht, der dann aber schon nach der ersten Enttäuschung abstürzt, die Schmerzen, die die Liebe mit sich bringt, nicht erträgt und vor sich und seiner Reife davonläuft.

Aber Angst ist eben auch keine Lebensqualität und schlussendlich ist uns ja wohl beiden bewusst: Lieber Lieben und Leben und nachher der Absturz. Als Angst und Zweifel und Absturz. Den, dieser folgt ja unweigerlich.

Ich habe gerade heute mit dem Mann an meiner Seite über meine Ängste gesprochen und ihn gebeten Geduld zu haben, es mit mir auszuhalten.

Er meinte daraufhin:

,, Ich habe alle Geduld der Welt, denn auch das steht dir zu. Ich werde deine Zweifel und Verzweiflung mit dir durchleben. Liebste wenn ich Dich in dem aushalten darf und spüren so ist diese Geduld mein Glück und ich weiss das ich lebe und liebe. Ich habe ebenfalls darueber nachgedacht, das ein wenig die Klippe im Moment darin besteht, dass du bei aller Projektion auf und in mich nicht vergessen solltest, dass der Urprung dieser Gefuehle fuer das lebendige in dir und das koerperliche wie auch metaphysische Erleben miteinander dennoch von immer nur von dir kommt. Vielleicht ist das auch ein Teil der Angst die du vor dem Platzen einer Blase verspuerst, weil du deinen eigenen Gefuehlen nicht recht trauen kannst, wie aber auch, da vieles davon vergessen und verschuettet wurde und aber auch einiges neu ist. So gesehen darfst du davon ausgehen, dass dir diese Gefuehle nicht mehr verloren gehen. Sie werden im Moment zwar durch mich erweckt aber sie sind in Dir und mein Beitrag ist daran, dass ich unerschuetterlich an Dich und an diese Gefuehle glaube. Dafuer brauchst du mich derzeit wahrscheinlich gelegentlich um eine Sicherheit im Umgang damit zu gewinnen. Und ich bin bereit dafür die Verantwortung dafür zu übernehmen. Weil du mir so wertvoll bist, werde ich fuer dich da sein und immer erhalten bleiben, hab keine Angst, du machst überhaupt nichts kapput. Du wirst dich Verändern, aber ich freue mich auf deine Veränderungen und darauf was du wirst. Und ich werde dich weiterhin lieben.''

Ich glaube er hat es auf den Punkt gebracht: Wir trauen unseren eigenen Gefühlen nicht, und wir Zweifeln an uns selber, dass wir unser Glück zerstörren. Wir sind selber verantwortlich für unser Glück und Unglück.

Seien wir glücklich!

Sehnsucht91

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