Forum / Psychologie & Persönlichkeit

Angst vor Arbeit/Kollegen (Angststörung)

Letzte Nachricht: 29. Oktober um 10:22
M
mimi2408
29.09.22 um 15:58

Hallo!

Ich bin weiblich, 22 Jahre alt und habe mich endlich überwunden, mit meinen Ängsten zum Arzt zu gehen und werde hoffentlich bald einen Therapieplatz bekommen.

Zum Hintergrund: Ich arbeite im Büro und bin seit meiner Ausbildung nicht warm mit den meisten Kollegen geworden. Man muss sich auch nicht mit jedem verstehen, aber viele direkte Kollegen sind unheimlich distanziert (ich liebe Harmonie und Freundschaftlichkeit), sehen die Arbeit gefühlt wichtiger als ihr Leben und ich habe jedes Mal nachdem ich mal krank war (alle paar Wochen mal 1-2 Tage wegen Migräne oder eben der Psyche) das Gefühl, dass alle mich komisch angucken. 

Ich frage mich inzwischen selbst schon immer, ob es mir schlecht genug geht und ob es der Arbeitsumfang erlaubt, dass ich mich krank melde. Einfach auch, weil sonst niemand dort "so oft" fehlt und ich Angst habe, dass ich dann als nicht pflichtbewusst abgestempelt werde. 

Das Thema Angst und die Wichtigkeit der Meinung meiner Kollegen über mich haben sich in meinem Kopf so sehr weitergesponnen, dass ich nun nicht mehr durchschlafen kann und ich früh morgens fast jeden Tag in der Woche voller Angst wachliege, bis ich dann auf der Arbeit bin und mich davon überzeugen kann, dass es heute keinen Grund dafür gibt. 
Das gibt mir so einen Stress, dass auch meine Konzentration darunter leidet und ich vermehrt Fehler mache. 

Ich bin diese Woche krank geschrieben weil mein Arzt mir etwas Abstand ermöglichen wollte und der Schritt nun offiziell was gegen meine Erkrankung zu tun mich echt aufwühlt, auch wenn es ein guter Schritt ist. Nun habe ich aber jetzt schon sehr Angst vor dem ersten Arbeitstag nach dieser Woche. 

Habt ihr auch mal eine ähnliche Phase durchlebt? Was hat euch geholfen (außer Therapie) und mit welchen Gedanken habt ihr euch über Wasser gehalten?
 

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happilyworking
happilyworking
02.10.22 um 8:58

Liebe mimi,

ich habe in der erweiterten Familie Personen mit einer Angsstörung. Du solltest dich umgehend bei einem Psychiater melden und dir ein angstlösendes Medikament verschreiben lassen. Nach 2-3 Wochen mit Nebenwirkungen wie Übelkeit usw. wird es dir besser gehen und die Angst ist weg.

Dann kannst du die Ursachen in einer Psychotherapie aufarbeiten.

Ein Medikament und eine Therapie wird dir schnell helfen und ermöglichen, deinen Job weiter auszuüben.

Falls es in deiner Umgebung lange Wartezeiten für einen Termin beim Psychiater gibt, würde ich dir raten, dich in einer Notfallambulanz einer psychiatrischen Klinik vorzustellen und dort um Hilfe zu bitten. Auch dort können dir Medikamente verschrieben werden und du kannst dort jede Woche oder auch täglich nach Bedarf vorsprechen.

Ich hoffe, dass es dir bald besser geht!

Viele Grüße,
Marlen

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R
roterregen
28.10.22 um 23:53

Hallo Mimi,

das ist ja eine ungünstige Situation, in die du da "hineingerutscht" bist... Angst ist ja recht hilfreich, allerdings und eigentlich nur wenn man vor einer Raubkatze steht...! In so einer Situation, wie du sie geschildert hast, ist Angst nicht wirklich hilfreich... allerdings gibt es da verschiedene Dinge zu beachten...

Nun, du hast den richtigen Weg gewählt und dir Hilfe geholt, und einen Therapieplatz gibt's oft so spontan ja auch nicht... da ist dann guter Rat teuer. 

Von angstlösenden Medikamenten, vor allem von denen, die schnell wirken, wie Tavor und Co. möchte ich dir abraten. Von Tavor war ich mal abhängig, da mir das bei einem Psychiatrieaufenthalt ohne viel Drumherum verabreicht wurde und ich als Süchtiger entlassen wurde, es gibt andere Mittel und Wege, Angst zu stoppen.

Es ist wichtig jetzt direkt etwas gegen die Angst zu unternehmen, sodass du und dein Gehirn sich nicht an die Entstehung dieser gewöhnen könnt... sonst wird das möglicherweise zu einem Automatismus und setzt sich fest, was auch lösbar wäre... Außerdem willst du ja wieder "funktionieren" und - ich hatte Panikattacken und eine Angststörung -, das arbeiten unter Angst kann man direkt vergessen, gell? 

Na gut, ich schreibe viel zu viel ohne etwas zu sagen, habe ich den Eindruck. Hier mal ein Tee-Tipp vorab, der bei Angstattacken innerhalb von ca. einer Stunde hilft: Hopfentee! Reinen Hopfentee. Gibt's offen zu kaufen in Onlineshops, kostet so 3-4 Euro und wirkt ganz gut. Allerdings ist das keine wirklich allzu große Hilfe, denn die Ursachen für die Angst bleiben ja bestehen. Also, vielleicht einsetzen, um den Kreislauf zu stoppen.

Andere Angst-Stop-Methoden: Die (gedankliche) Schiebetechnik. Welche bei dir möglicherweise auch sehr gut funktioniert. Wirkt schneller als der Tee, innerhalb von einigen Sekunden. Erklärt Klaus Bernhardt vom Institut für moderne Psychotherapie eingängig in seinem Videokurs. Google einfach mal. Auch auf einer Webseite von der Technische Universität Darmstadt wird diese kurz und bündig erklärt.

Dann... viel wichtiger, die Ursache der Angst ausfindig machen und sie verändern. Du schreibst, du hast Angst vor den Kollegen. Bist für eine Woche krank geschrieben. Die Angst wächst. Nun, mit der Schiebetechnik oder den Techniken aus unter anderem der Traumatherapie, gibt es ja jetzt die Möglichkeit diese zu stoppen, und wenn es auch nur der Hopfentee ist, allerdings solltest du vielleicht mal in dich hinein hören, hören was dein Unterbewusstsein dir sagen will, indem es - kann ja sein - dir die Angst schickt, ... vielleicht steckt ja mehr dahinter, als das was du bisher an nimmst?! Aber vielleicht wartest du damit, bis du jemanden direkt zum Reden hast!?

Viel Glück!


 

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R
roterregen
28.10.22 um 23:56

Ach herrje, nun habe ich da einen halben Roman verfasst und erst danach gesehen, dass dein Thema schon einen Monat alt ist... 

also,... wie geht's dir denn mittlerweile? Hast du schon einen Therapieplatz bekommen und erste Erfolge gefeiert? Hast du noch Angst?

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S
sisteronthefly
29.10.22 um 10:22

Guten Morgen, 

die Schwierigkeit an der Überwindung liegt in deinen Gedanken. Hierbei benötigst du in der Regel Unterstützung. Menschen, die unter sozialen Ängsten sehr leiden stellen an sich selbst meistens extrem hohe Anforderungen. Das kann durch frühst entwickelte Glaubenssätze entstehen, die zum Beispiel so aussehen könnten. "Ich kann nichts richtig machen, ich muss nett und freundlich sein, ich bin zu schüchtern, ich bin nicht gut genug." Wenn sich solche Glaubenssätze manifestieren, schleppen wir sie lange mit uns herum. Hinter einem Glaubenssatz steckt das, was du über dich selbst denkst. Diese überholten, gar nicht zutreffenden Annahmen hinterfragen und neu zu formulieren ist ein zentrales Thema in der Therapie. Hat man Glaubenssätze einmal identifiziert, was manchmal nicht auf Knopfdruck geschiet, weil sie tief verborgen liegen kann man sie verändern und für sich neu formulieren. Negative Gedanken wirken sich auch negativ auf dein Selbst aus. 

Ein Gedanke, der dich über Wasser hält.... ich lerne positive Gedanken/positive Glaubenssätze. 

Hinter negativen Gedanken steht auch ein Verhalten. Wenn du auf/vor der Arbeit denkst "niemand mag mich, die Arbeit kann ich gar nicht schaffen, mir ist schlecht wenn ich an den Arbeitsbeginn denke" wird sich dein Verhalten auf diese Weise zeigen. Du ziehst dich von Kollegen zurück, du siehst keinen Sinn darin zur Arbeit zu gehen, du fühlst dich krank und bekommst Angst. Dies ist nochmal ein Beispiel dafür, wie Grundannahmen sich auswirken. Dein Gedanke wird dann sein, "alle Kollegen werden mich kritisch betrachten. Ich darf nicht schwach sein, dann machen sie sich darüber lustig."

Ein neuer Gedanke, der dich über Wasser hält...ich liebe mich selbst und akzeptiere mich so wie ich bin. 

Ein Schritt könnte aktuell sein, dich mit deiner Sorge an einen Vorgesetzten zu wenden. Ja, vielleicht auch das Wort überwinden. Nur wenn du thematisierst, wie es dir geht können dich andere verstehen. Liegt das angespannte kollegiale Verhältnis an deinen Ängsten oder besteht vielleicht auch eine Problematik im Team. Das wäre Chefsache! Und sollte dringend angegangen werden. 

Das Eingeständnis, ich brauche Hilfe ist ein großer Schritt deshalb ist die Krankschreibung eine Möglichkeit zur Reflexion und wichtig. Zunkünftig sind Krankschreibungen jedoch Vermeidungstaktiken, vor dem, wovor du Angst hast und nicht zielführend, das heißt auch nicht helfend. Du könntest mit deinem Arzt die Option eines stationären Aufenthaltes bereden. Dies ist häufig die bessere Alternative, da du dich noch in einem geschützten Rahmen befindest und die Auseinandersetzung mit der Angst "leichter" vonstatten geht. Nachstationär würde eine ambulante Therapie sicherlich fortgeführt werden. 

LG Sis


 

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