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Angst rauszugehen

2. September 2009 um 15:36

Ich brauche dringend euren Rat. Ich bin neu hier und hoffe einfach, dass einige vielleicht doch in der Lage sind mir zu helfen oder mich zu beraten.
Es geht nicht direkt um mich sondern um meinen Bruder (22 Jahre). Er leidet seit einiger Zeit unter Angstzuständen. Früher war er immer mit seinen Kumpels unterwegs, war gerne weg und war immer gut drauf, doch seit einiger Zeit traut er sich nicht einmal mehr vor die Tür.
Ich weiß nicht genau seit wann es ist, meine Familie hat das wohl nicht sofort bemerkt da er nicht sofort mit uns darüber gesprochen hat.
Es fing damit an, dass er schon morgens über Übelkeit klagte. Er hat nichts mehr richtig Essen können obwohl er hunger hatte. Es ging einfach nicht. Er saß mit uns immer am Esstisch und stocherte in seinem Teller rum und bekam einfach nichts herunter.
Meine Mutter und ich wollten mal zusammen mit ihm jemandem besuchen gehen, er freute sich auch drauf, doch als wir gerade die Tür verlassen wollten, blieb er am Türrahmen stehen und sagte, er könne nicht mitgehen, da ihm einfach nicht gut sei. Er meinte die Pizza, die er am Abend davor gegessen hatte sei wohl nicht gut gewesen. Später stellte sich heraus, dass das eine Lüge war, es lag nicht an der Pizza, er hatte einfach nur Angst!
Und so ging es weiter, es wurde immer schlimmer. Er kann mittlerweile nicht einmal mehr mit seinen Kumpels ins Kino gehen. Weshalb er Angst hat kann er selbst nicht beschreiben, es geht einfach nicht. Er freut sich immer drauf wenn irgendetwas ansteht zum weggehen, doch so näher der Termin rückt, um so klarer wird ihm immer, dass er einfach nicht kann!
Meine Mutter hat ihm dann irgendwann Schüßler-Salze und Bachblütentropfen besorgt. Das hat einigermaßen geholfen, zumindest konnte er wieder problemlos essen, doch unterwegs war er in der Zeit mit seinen Kumpels nie.
Wir dachten es wäre besser geworden, doch gestern hat er uns mitgeteilt, dass er nicht einmal in den Bäcker kann und sich ein Brötchen kaufen kann sondern immer den Umweg fährt zu einem "Drive-In-Bäcker", damit er nicht in den Laden rein muss. Das ist doch nicht normal
Selbst mit uns, seiner Familie, kann er nicht aus dem Haus zu einem Geburtstag oder Ähnlichem.

Wir wissen einfach nicht mehr weiter. Sollen wir ihn zu einem Therapeuten oder einem Psychologen schicken?

Würde mich so freuen, wenn mir jemand helfen könnte. Vielleicht hat ja jemand das selbe Problem (gehabt) ???

Grüße
Twilana

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3. September 2009 um 8:02

An Godtimesbadtimes
Hallo,

Zu allererst, vielen dank für deine Antwort...

Wahnsinn... du hast es seit 3 Jahren und es kam auch einfach so plötzlich? Hatte das irgend einen Auslöser, bzw. war der Auslöser für die Angst die, dass du dich übergeben hast damals und danach dann immer Angst hattest dich nochmal übergeben zu müssen?
Das heißt also, du kannst dir selbst auch nicht erklären wieso das so alles bei dir ist? Du wünschst dir auch, dass es wieder normal wird, wie früher aber die Angst is viel größer?
Meine Familie und ich wissen da einfach nicht wie wir ihm helfen können, ich denke es ist die falsche Methode ihn "zwingen" rauszugehen, doch er "sifft" nur noch zuhause rum vor seinem PC. Dort hat er Kontakt zu seinen Freunden, aber so "direkt" absolut nicht mehr.
Vor 2 Monaten hatte er Geburtstag, hat sich schon gefreut die ganze Verwandschaft zu sehen und hat auch seine Kumpels dazu eingeladen. Doch schon am Abend vor der Feier hat er rumgenörgelt, dass ihm schlecht ist und einfach nur schlafen will. Er ist wirklich schier "krepiert" als der Tag dann war und die Gäste jeden Moment kommen konnten... doch als sie dann da waren ging es. Es war nicht perfekt, aber er hielt es aus und so nach und nach konnte er auch etwas entspannter sein.
MUSS man sich in so einer Situation vielleicht einfach selbst dazu zwingen? Ist es einfach etwas im Kopf, dass wieder richtig "ticken" muss. Ich will nicht damit sagen, dass du oder mein Bruder da falsch ticken, um Gottes Willen, aber vielleicht ist das ja wirklich alles nur einbildung? Denn es zeigt sich ja, dass es dann doch nicht so schlimm ist wie man vorher geglaubt hat, wenn man sich dann doch mal überwinden konnte rauszugehen?!

Mein Bruder macht momentan Zivildienst, dort ist auch alles i.O... er geht gerne hin und auch problemlos.
Doch neulich war eine Woche lang so eine "Zivi-Schulung", selbst da konnte er fast nicht hin. Schon Tage vorher war ihm wieder übel und er konnte es sich selbst nicht erklären. An dem Morgen wo er los musste zu der Schulung, saß ich gemeinsam mit ihm am Frühstückstisch und er zappelte schon wieder verrückt rum. Meinte er freue sich doch auf die Schulung und auf nen Tapetenwechsel aber er kann einfach nicht hin gehen... er meinte, er würde sich am liebsten an den Tisch binden oder sterben... ich saß dann nur da und wusste einfach nicht wie ich ihm helfen könnte :/ hab ihn dann halt in den Arm genommen und gesagt er darf sowas nicht mehr sagen. Dass er es versuchen soll hinzugehen und wenn es ÜBERHAUPT nicht geht, kann er ja wieder kommen...
Naja im endeffekt war dann doch alles einigermaßen ok als er mal DORT war. Auf dem Weg dorthin war er scheinbar immer drauf und dran umzudrehen und nach Hause zu fahren.

Und du machst eine Therapie und nimmst sogar Anti-Depressiva und es hat trotzdem nichts geholfen? Anti-Depressiva verschreiben Ärzte doch immer nur dann, wenn sie selbst nicht mehr weiter wissen oder einfach nicht wirklich helfen wollen. Das mit dir und meinem Bruder ist psychisch bedingt, das spielt sich im Kopf ab und da helfen Medikamente dieser Art einfach nicht. Zudem wird man davon Abhängig :/

Wie lief die Therapie denn immer ab? Hast du das mit Autogenem Training unterstützt?

Entschuldigung wenn ich dich da so löchere :/
Würde mich über eine Antwort sehr freuen.

Viele liebe Grüße,
Twilana

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