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Angst es nicht mehr zu schaffen!

27. Juni 2007 um 9:57 Letzte Antwort: 29. Juni 2007 um 18:31

Hallo,

ich bin seit vielen Jahren depressiv, es war aber immer eine positive Trendwende zu verzeichnen und ich war nur leicht depressiv. Habe sehr viel bewältigt und bin weit nach vorne gekommen. Vieles hat sich geändert zum positiven.

In der letzten Zeit habe ich aber das Gefühl nicht mehr zu können. Fühle mich so schrecklich alleine gelassen mit allen Sorgen. Bin seit ca. 2,5 Jahren alleinerziehend.
Für eine neue Beziehung war ich noch nicht soweit, weil ich erst meine Probleme lösen wollte.

Es wird einfach nicht besser. Die guten Tage wechseln sich mit den negativen ab. Wenn ich unter Leuten bin, geht es mir gut. Aber sobald ich hier nach Hause komme...! Muss dazu sagen, dass ich auch arbeitslos bin. Habe nun aber 2 Nebenjobs. Aber trotzdem immer noch sehr viel Zeit.

Ich nehme seit Februar kein Antidepressiva mehr. Vorher nur in sehr sehr kleiner Dosis. (6mg Aponal)

Was kann ich tun? Habe im Moment keine Ideen, wie es besser werden könnte. Dieses sich so alleine fühlen, ich weiß ja, dass es aus der Vergangenheit herrührt und sonst sage ich mir auch immer, das es nicht stimmt, habe ja Freunde usw. Aber im Moment greift das nicht und ich habe das Gefühl, mir selber etwas vorzumachen.

Auch habe ich Angst, dass meine Tochter zu sehr unter den Depris leidet. Es stört ja doch ihre Entwicklung und ich möchte einfach, dass sie gut aufwächst.

Habt ihr Ideen für mich?

Lb.Gruß
Jane

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27. Juni 2007 um 18:18

Depression
Hallo Jane,

du schreibst du hast in der Vergangenheit bereits sehr viel bewältigt und das sich vieles zum positiven geändert hat. Hast du das innerhalb einer Psychotherapie gemacht oder hast du ohne professionelle Hilfe an der Bewältigung deiner Probleme gearbeitet?
Wer hat dir das Antidepressiva verordnet bzw. seine Absetzung?
Die Depression, aber auch ihr "Vorläufer", die depressive Verstimmung sind psychische Erkrankungen die einer Behandlung bedürfen. Insbesondere einer therapeutischen Behandlung.
Auch wenn du bereits eine Therapie gemacht hast, manchmal ist es eben notwendig erneut eine durchzuführen. Eventuell auch bei einem neuen Therapeuten oder nach einem anderen Ansatz, so können noch einmal andere Aspekte betrachtet werden, die zu deinen Beschwerden geführt haben.
Wenn du noch keine Therapie gemacht hast, dann wird es jetzt Zeit dafür! Es ist sinnvoll, bei mehreren Therapeuten anzurufen und sich nach einem Termin für eine Probesitzung zu erkundigen. Zum einen haben viele Therapeuten Wartelisten und so erhöht man seine Chancen, möglichst schnell einen Therapieplatz zu erhalten. Zudem kann man so abklären ob Therapeut und Patient überhaupt zusammen passen und ob einem der Ansatz des Therapeuten gefällt.
Adressen gibt es in den gelben Seiten oder über die Krankenkasse über die man versichert ist.
Ich denke das es enorm wichtig für dich wäre eine (erneute) Therapie anzustreben. Dort hast du dann jemanden mit dem du reden kannst und das nimmt einem viel Ballast ab. Auch wenn du Freunde zum Reden hast, ist eine professionelle Gesprächstherapie nicht zu ersetzen.

Ich könnte mir gut vorstellen, dass eine Selbsthilfegruppe auch eine gute Hilfe für dich und deine Situation ist. Mit Gleichgesinnten offen und ehrlich zu sprechen, spüren das man eben doch nicht alleine ist, gibt neue Kraft. Zudem wäre so ein Termin ein fester Punkt in deinem Wochenplan.

Nicht zu unterschätzen ist regelmäßige Bewegung. Am besten in einer Gruppe oder gleich ein Mannschaftssport. Bereits 20 bis 30 Minuten körperliche Bewegung am Tag haben einen sehr positiven Einfluss auf die Stimmung bei Depressionen.

Regelmässige Mahlzeiten und besonders ein tägliches Frühstück sind wichtig. 3 bis 5 Mahlzeiten am Tag sorgen bereits für eine Tagesstrukturierung und geben dem Gehirn ausreichend Nährstoffe (Glukose) zum arbeiten. Unregelmässiges Essen führt dagegen leicht zu Reizbarkeit, Kopfschmerzen usw.
Außerdem sollte man mehr Fisch essen, besonders Lachs, Heilbutt oder Thunfisch. Denn Omega-3-Fettsäuren können Beschwerden einer Depression reduzieren. Zudem sollte Alkohol und Koffein gemieden werden, da dies zu einer Zunahme von Angst und Depressionen beitragen kann.

Depressionen stellen selber schon eine schwere Belastung dar. Daher ist es wichtig, andere Stressoren möglichst zu minimieren. Das geht natürlich nicht immer, klar. Aber man soll sich ja auch nicht schonen, sondern einfach zusehen, sich z.B. den Terminkalender nicht zu voll zu packen bzw. nicht nur mit Punkten zu füllen, die gemacht werden müssen, z.B. Hausarbeit. Es muss immer auch Platz bleiben für Dinge die einem persönlich gut tun und entlasten. Das kann bei jedem etwas anderes sein, Spaziergänge in der Natur, Musik hören, etwas Kreatives gestalten usw. Wichtig ist den Moment zu genießen und ihn zu leben. Ganz bei sich selbst zu sein. Und solche Punkte sind genauso wie andere Termine in den eigenen Kalender einzutragen. Richtig mit Uhrzeit, man macht quasi einen Termin mit sich selbst. Und es ist wichtig sich für sich selbst Zeit zu nehmen und zur Ruhe zu kommen. Vielleicht willst du auch immer unterwegs und unter Menschen sein, um eben nicht alleine mit dir zu sein. Denn da kommen dann vielleicht Gedanken und Ängste auf, die man eigentlich gar nicht zu lassen will...
Es ist generell empfehlenswert am Anfang der Woche alles Wichtige in einen Kalender einzutragen, was in der Woche zu tun ist. Jetzt sag nicht, du hast nichts zu tun-oh doch! Trage ein wann du welche Hausarbeit erledigst, du zur Arbeit gehst, wann du welche Freund triffst, dich mit deinem Kind beschäftigst, Zeit für Sport, Entspannung und dich selbst einplanst.
Gib deinem Tag eine Struktur. Eine die du natürlich auch einhalten musst!!! So siehst du was zu tun ist, aber auch was du alles geschafft hast! Und am Abend eines Tages konzentriere dich mal auf alles Positive, das dir heute begegnet ist. Trainieren deine Wahrnehmung, immer auch das Positive zu sehen. Denn depressive Menschen konzentrieren sich oft zu stark auf das Negative und verzerren dadurch die Realität.
Destruktiven Gedanken sind nicht zu unterschätzen. Und man macht sich auch nichts vor, wenn man versucht positiv zu denken. Im Gegenteil!
Erstellen mal eine zweispaltige Liste und tragen links alle zermürbenden Aussagen und Gedanken ein, die dir im Laufe eines Tages einfallen. Überlege anschließend, wie du etwas negativ Erscheinendes positiv deuten kannst. Notieren dann die neue Sichtweise in der rechten Spalte und mache auch künftig von ihr Gebrauch. Anstatt zu sagen, ich habe zwar zwei Nebenjobs, aber immer noch zu viel Zeit, könntest du auch deine Sicht verändern und dir klar machen, ich habe es geschafft zwei Nebenjobs zu bekommen. Die Zeit die mir zur Verfügung steht nutze ich nun für mich. Um mich weiterzubilden, zu lesen, Sport zu treiben oder sonst was. Du veränderst damit nicht die Realität, sondern deine Sicht auf die Dinge!
Auch sollten Verallgemeinerungen konsequent aus dem Sprachgebrauch und den Gedanken gestrichen werden. Also solche Sätze wie:"Das klappt nie." "Alles war umsonst." Bei solchen Äußerungen oder Gedanken gleich STOP sagen und um denken. Frag dich mal was dir solche negativen Gedanken bringen. Bestärkt er dich darin, eine Lösung für dein Problem zu finden? Hilft er dir, dein Leben zu bewältigen? Wohl nicht. Positive Gedanken tun dies! Diese Technik des positiven Denkens ist vielleicht nicht einfach mal eben zu machen und es dauert bis sich dis Sicht verändert, aber es wirkt!

Übrigens wenn du meinst du hast zu viel ungenutzte Zeit und fühlst dich dadurch nicht sinnvoll Beschäftigt, dann rate ich dir werde ehrenamtlich tätig. Es gibt so viel im soziale Bereich in dem ehrenamtliche Mitarbeiter dringend gebraucht werden. Frag doch mal in Behindertenheimen, Altenheimen oder so nach ob du dort helfen kannst.
Oder melde dich beim Sorgentelefon. Du belegst dort einen Kurs und wirst dann dort regelmäßig eingesetzt. Und glaub mir dein Selbstbewusstsein wird es dir Danken, wenn du neue Wege gehst!

Viiiiiieeel Erfolg!

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29. Juni 2007 um 18:31
In Antwort auf marisa_12533112

Depression
Hallo Jane,

du schreibst du hast in der Vergangenheit bereits sehr viel bewältigt und das sich vieles zum positiven geändert hat. Hast du das innerhalb einer Psychotherapie gemacht oder hast du ohne professionelle Hilfe an der Bewältigung deiner Probleme gearbeitet?
Wer hat dir das Antidepressiva verordnet bzw. seine Absetzung?
Die Depression, aber auch ihr "Vorläufer", die depressive Verstimmung sind psychische Erkrankungen die einer Behandlung bedürfen. Insbesondere einer therapeutischen Behandlung.
Auch wenn du bereits eine Therapie gemacht hast, manchmal ist es eben notwendig erneut eine durchzuführen. Eventuell auch bei einem neuen Therapeuten oder nach einem anderen Ansatz, so können noch einmal andere Aspekte betrachtet werden, die zu deinen Beschwerden geführt haben.
Wenn du noch keine Therapie gemacht hast, dann wird es jetzt Zeit dafür! Es ist sinnvoll, bei mehreren Therapeuten anzurufen und sich nach einem Termin für eine Probesitzung zu erkundigen. Zum einen haben viele Therapeuten Wartelisten und so erhöht man seine Chancen, möglichst schnell einen Therapieplatz zu erhalten. Zudem kann man so abklären ob Therapeut und Patient überhaupt zusammen passen und ob einem der Ansatz des Therapeuten gefällt.
Adressen gibt es in den gelben Seiten oder über die Krankenkasse über die man versichert ist.
Ich denke das es enorm wichtig für dich wäre eine (erneute) Therapie anzustreben. Dort hast du dann jemanden mit dem du reden kannst und das nimmt einem viel Ballast ab. Auch wenn du Freunde zum Reden hast, ist eine professionelle Gesprächstherapie nicht zu ersetzen.

Ich könnte mir gut vorstellen, dass eine Selbsthilfegruppe auch eine gute Hilfe für dich und deine Situation ist. Mit Gleichgesinnten offen und ehrlich zu sprechen, spüren das man eben doch nicht alleine ist, gibt neue Kraft. Zudem wäre so ein Termin ein fester Punkt in deinem Wochenplan.

Nicht zu unterschätzen ist regelmäßige Bewegung. Am besten in einer Gruppe oder gleich ein Mannschaftssport. Bereits 20 bis 30 Minuten körperliche Bewegung am Tag haben einen sehr positiven Einfluss auf die Stimmung bei Depressionen.

Regelmässige Mahlzeiten und besonders ein tägliches Frühstück sind wichtig. 3 bis 5 Mahlzeiten am Tag sorgen bereits für eine Tagesstrukturierung und geben dem Gehirn ausreichend Nährstoffe (Glukose) zum arbeiten. Unregelmässiges Essen führt dagegen leicht zu Reizbarkeit, Kopfschmerzen usw.
Außerdem sollte man mehr Fisch essen, besonders Lachs, Heilbutt oder Thunfisch. Denn Omega-3-Fettsäuren können Beschwerden einer Depression reduzieren. Zudem sollte Alkohol und Koffein gemieden werden, da dies zu einer Zunahme von Angst und Depressionen beitragen kann.

Depressionen stellen selber schon eine schwere Belastung dar. Daher ist es wichtig, andere Stressoren möglichst zu minimieren. Das geht natürlich nicht immer, klar. Aber man soll sich ja auch nicht schonen, sondern einfach zusehen, sich z.B. den Terminkalender nicht zu voll zu packen bzw. nicht nur mit Punkten zu füllen, die gemacht werden müssen, z.B. Hausarbeit. Es muss immer auch Platz bleiben für Dinge die einem persönlich gut tun und entlasten. Das kann bei jedem etwas anderes sein, Spaziergänge in der Natur, Musik hören, etwas Kreatives gestalten usw. Wichtig ist den Moment zu genießen und ihn zu leben. Ganz bei sich selbst zu sein. Und solche Punkte sind genauso wie andere Termine in den eigenen Kalender einzutragen. Richtig mit Uhrzeit, man macht quasi einen Termin mit sich selbst. Und es ist wichtig sich für sich selbst Zeit zu nehmen und zur Ruhe zu kommen. Vielleicht willst du auch immer unterwegs und unter Menschen sein, um eben nicht alleine mit dir zu sein. Denn da kommen dann vielleicht Gedanken und Ängste auf, die man eigentlich gar nicht zu lassen will...
Es ist generell empfehlenswert am Anfang der Woche alles Wichtige in einen Kalender einzutragen, was in der Woche zu tun ist. Jetzt sag nicht, du hast nichts zu tun-oh doch! Trage ein wann du welche Hausarbeit erledigst, du zur Arbeit gehst, wann du welche Freund triffst, dich mit deinem Kind beschäftigst, Zeit für Sport, Entspannung und dich selbst einplanst.
Gib deinem Tag eine Struktur. Eine die du natürlich auch einhalten musst!!! So siehst du was zu tun ist, aber auch was du alles geschafft hast! Und am Abend eines Tages konzentriere dich mal auf alles Positive, das dir heute begegnet ist. Trainieren deine Wahrnehmung, immer auch das Positive zu sehen. Denn depressive Menschen konzentrieren sich oft zu stark auf das Negative und verzerren dadurch die Realität.
Destruktiven Gedanken sind nicht zu unterschätzen. Und man macht sich auch nichts vor, wenn man versucht positiv zu denken. Im Gegenteil!
Erstellen mal eine zweispaltige Liste und tragen links alle zermürbenden Aussagen und Gedanken ein, die dir im Laufe eines Tages einfallen. Überlege anschließend, wie du etwas negativ Erscheinendes positiv deuten kannst. Notieren dann die neue Sichtweise in der rechten Spalte und mache auch künftig von ihr Gebrauch. Anstatt zu sagen, ich habe zwar zwei Nebenjobs, aber immer noch zu viel Zeit, könntest du auch deine Sicht verändern und dir klar machen, ich habe es geschafft zwei Nebenjobs zu bekommen. Die Zeit die mir zur Verfügung steht nutze ich nun für mich. Um mich weiterzubilden, zu lesen, Sport zu treiben oder sonst was. Du veränderst damit nicht die Realität, sondern deine Sicht auf die Dinge!
Auch sollten Verallgemeinerungen konsequent aus dem Sprachgebrauch und den Gedanken gestrichen werden. Also solche Sätze wie:"Das klappt nie." "Alles war umsonst." Bei solchen Äußerungen oder Gedanken gleich STOP sagen und um denken. Frag dich mal was dir solche negativen Gedanken bringen. Bestärkt er dich darin, eine Lösung für dein Problem zu finden? Hilft er dir, dein Leben zu bewältigen? Wohl nicht. Positive Gedanken tun dies! Diese Technik des positiven Denkens ist vielleicht nicht einfach mal eben zu machen und es dauert bis sich dis Sicht verändert, aber es wirkt!

Übrigens wenn du meinst du hast zu viel ungenutzte Zeit und fühlst dich dadurch nicht sinnvoll Beschäftigt, dann rate ich dir werde ehrenamtlich tätig. Es gibt so viel im soziale Bereich in dem ehrenamtliche Mitarbeiter dringend gebraucht werden. Frag doch mal in Behindertenheimen, Altenheimen oder so nach ob du dort helfen kannst.
Oder melde dich beim Sorgentelefon. Du belegst dort einen Kurs und wirst dann dort regelmäßig eingesetzt. Und glaub mir dein Selbstbewusstsein wird es dir Danken, wenn du neue Wege gehst!

Viiiiiieeel Erfolg!

Vielen lieben Dank
Chokichock!

Danke für deine ausführliche Antwort. Ich habe jetzt auch schon 2 gute Tage gehabt. Aber fällt mir schwer, eindeutig. Ja, ich werde mich in erster Linie um eine weitere Therapie kümmern.

Danke für die Tipps.

Lb.Gruß
Jane

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