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An der Depression ging unsere Beziehung kaputt

23. September 2011 um 14:29

Zuerst mal hallo an alle... ich hab einige Beiträge hier im Forum gelesen und wollte mal kurz meine Geschichte aufschreiben, in der Hoffnung mich vielleicht mit jemand austauschen zu können, der eine ähnliche Situation kennt oder schon erlebt hat.

Ich war mit meinem Ex-Freund, von dem ich mich vor 3 Monaten getrennt hab fast 8 Jahre zusammen, bis er vor ca. 2,5 Jahren ein völlig anderer Mensch wurde... er beachtete mich nicht mehr, ignorierte mich, hatte keine Lust mehr auf gar nichts und auch nicht auf mich, hatte Wutausbrüche wegen Nichtigkeiten die ich vorher von ihm so nicht kannte, Entscheidungsunfreudigkeit, Antriebs-, Lust- und Freudlosigkeit bestimmten sein Leben und in der Beziehung irgendwann auch meines.

Leider habe ich dann vor ca. einem Jahr einen anderen kennengelernt, in den ich mich verschossen hab, und ich habe meinen Freund betrogen. Die ganze Sache lief einige Monate, bis ich es nicht mehr ausgehalten hab, weil ich aufgrund der ewigen Streitigkeiten, dem Gefühl des Allein Gelassen Seins selbst am Ende war. Vor 3 Monaten habe ich mich dann getrennt... zu diesem Zeitpunkt war auch die Affäre beendet.

Ich wusste bis vor kurzem nicht, wieso sich mein Ex-Freund so gegenüber mir verhalten hat... erst jetzt mit dem Abstand und in der Verarbeitungsphase habe ich mal nach Ursachen gesucht und bin vor einigen Tagen (auch in Berücksichtigung der Symptome die er nach der Trennung gezeigt hat, Schmerzen in der Brust, Selbstmordgedanken, Schlaflosigkeit) darauf gekommen, dass er wohl eine Depression hatte, erbliche Vorbelastung ist leider gegeben. Als Auslöser konnten wir damals eine Arbeitslosigkeit (wenn auch nur kurz) ausmachen. Auf die 2,5 Jahre gesehen trat das natürlich immer phasenweise (einige Monate ca) auf.

Im Moment mache ich mir einfach Vorwürfe... weil ich die Symptome nicht früher erkannt hab, ihm nicht helfen konnte, und ich kann mir auch nicht verzeihen, dass ich für mich selbst die falsche Entscheidung getroffen hab indem ich was mit einem anderen hatte... und ich kann ihm nicht verzeihen, dass er mich in der Zeit vorher, obwohl er ja aufgrund der Krankheit wohl nichts dafür konnte in der ganzen Zeit so verletzt hat, weil er mich einfach allein mit allem bzw. oft im Stich gelassen hat.

Ich will ihm helfen, weiß nicht ob das in dieser Situation gut ist (glaube eigentlich nicht an das "Freunde-bleiben", aber eine gewisse Vertrautheit ist nach so einer langen Zeit einfach da und er war in den ersten Jahren immer auch mein bester Freund) und ob man das auf einer freundschaftlichen Ebene tun kann, ich kann (noch) nicht akzeptieren dass die Beziehung daran bzw. in Folge an den falschen Entscheidungen aufgrund der Situation zerbrochen ist.

Ich bin kein Mensch der die anderen im Stich lässt, aber ich habe es einfach zu spät heraus gefunden, und obwohl er sagt er will mich zurück weiß ich nicht ob ich das wollen würde... und wieviel an Gemeinsamkeiten oder Gefühlen noch da ist. Ich habe inzwischen auch jemand anders kennen gelernt, den ich sehr gern habe, wo ich mich aber noch nicht darauf einlassen kann weil ich noch Abschließen muss.

Deshalb schreibe ich das hier, weil ich verstehen möchte, was da passiert ist... wie es für den Betroffenen ist... und wie sich eine Depression auf die Beziehung auswirken kann, wie es bei euch war, ich möchte einfach verstehen was da passiert ist, und vielen Dank an alle die bis hier her gelesen haben, ich bin euch echt dankbar für jede Antwort...

lg
goldensun

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23. September 2011 um 15:17

Hallo Goldensun,
so wie du es beschreibst, leidet dein Ex-Freund tatsächlich an einer Depression. Der Umgang mit Depressiven ist für Angehörige immer schwierig und es zerbrechen auch etliche Beziehungen daran. Als Angehörige kann man für einen Depressiven nur wenig tun. Depressive benötigen professionelle Hilfe. Entscheidend ist dann der Heilungsverlauf, ob eine Beziehung wieder so wie zuvor fortgeführt werden kann oder ob sie dauerhaft belastet bleibt. Bei deinem Ex-Freund wundert es mich, dass er nach 2,5 Jahren immer noch krank ist. Ich kann daher nachvollziehen, dass du dich zögerlich zeigst, ob du die frühere Partnerschaft wieder aufleben lassen willst oder nicht. Diese Entscheidung kann dir aber niemand abnehmen.

LG Nus

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23. September 2011 um 16:28
In Antwort auf nus1951

Hallo Goldensun,
so wie du es beschreibst, leidet dein Ex-Freund tatsächlich an einer Depression. Der Umgang mit Depressiven ist für Angehörige immer schwierig und es zerbrechen auch etliche Beziehungen daran. Als Angehörige kann man für einen Depressiven nur wenig tun. Depressive benötigen professionelle Hilfe. Entscheidend ist dann der Heilungsverlauf, ob eine Beziehung wieder so wie zuvor fortgeführt werden kann oder ob sie dauerhaft belastet bleibt. Bei deinem Ex-Freund wundert es mich, dass er nach 2,5 Jahren immer noch krank ist. Ich kann daher nachvollziehen, dass du dich zögerlich zeigst, ob du die frühere Partnerschaft wieder aufleben lassen willst oder nicht. Diese Entscheidung kann dir aber niemand abnehmen.

LG Nus

Danke Nus
für deine Antwort. Naja, es war eigentlich immer so phasenweise... Phasen von einigen Monaten. Eben vor 2,5 Jahren als es angefangen hat, dann zwischendurch wieder (kann mich nicht mehr so genau erinnern), und eben dann im letzten Herbst auch für einige Monate, während es ihm dann so gegen Frühjahrsbeginn wieder besser ging. Im Mai habe ich ihm gebeichtet dass ich ihn betrogen hab und hatte gehofft (damals hab ich natürlich nichts gewusst) dass er mir doch (er hat ja gesagt er verzeiht es mir und will die Beziehung nicht beenden) zeigt dass er noch will und mich doch noch gern hat, aber ich hatte das Gefühl dass er immer wollte, aber nicht konnte. Der nächste Einbruch war dann im Anfang Juli als ich mich getrennt hab, das hat ihm dann wohl leider den Boden unter den Füßen weg gezogen. Dann gings abwärts, und es fing das mit den Schmerzen in der Brust und der Schlaflosigkeit an. Mittlerweile ist es drei Monate her, etwas besser gehts ihm, aber die Schlaflosigkeit hält an. Zumindest ist er im Moment aktiv, sportlich am Wochende und drei Mal pro Woche im Fitnessstudio (also er übertreibts jetzt nicht). Früher war er in den Phasen ja nur auf der Couch, zumindest diesen Antrieb und den Antrieb zur Arbeit hat er also jetzt.

Generell ist schon zu sagen, dass es ihm zwischen diesen Phasen besser ging, er hatte da mehr Energie und Kraft, er hat auch immer gearbeitet und arbeitet nach wie vor. An der Beziehung hats aber trotzdem gezehrt...

Und wie gesagt aus der Situation heraus damals (ich weiß nicht hats mich selbst runter gezogen) hab ich zwar gemerkt dass er sich verändert hat, habs aber auf mich bezogen (er hat mich nicht mehr gern, er hilft mir nicht, ich bedeute ihm nichts mehr...)... es war schon komisch dass er immer müde war... aber ich hätte nicht dran gedacht dass es Depression sein könnte... erst jetzt mit dem Abstand ist es mir klar geworden. Und er selbst... naja der Betroffene merkts wohl eher nicht dass er krank ist, oder?

Trotzdem hab ich ihn vorsichtig letzte Woche auf meinen Verdacht angesprochen und er meinte es könnte wirklich sein, da er in dieser Zeit nicht nur mich (der Partner kriegt halt das meiste ab), sondern auch andere (Familie, Freunde) vernachlässigt hat... und sich selbst irgendwo auch bzw. sich nicht mehr freuen konnte usw.

Ich hab ihm geraten sich wirklich mal von einem Arzt durchchecken zu lassen... mal schauen was er heute sagt ob er sich da schon informiert hat.

Es liegt mir in erster Linie mal daran dass es ihm wieder besser geht... ob dann mit oder ohne Beziehung steht wirklich noch auf einem ganz anderen Papier.

Vielen Dank an dich und lg
goldensun

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