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Alzheimer oder einfach nur nerviges Nicht-Zuhören?

20. September 2011 um 9:40

Hallo,

ich stehe momentan vor dem Problem, dass ich nicht weiß, ob mein Mann langsam aber sich irgendeine Krankheit (evtl. Alzheimer) entwickelt oder einfach nur wirklich nervende Marotten an den Tag legt. Es geht hauptsächlich darum, dass er in letzter Zeit wirklich extrem häufig entweder nicht hört, was ich sage oder genau das Gegenteil (oder nur die Hälfte) davon hört. Ok, ok - das machen sicher viele Männer. Das absolut Erschreckende an der Sache ist jedoch, dass er wirklich total aufmerksam aussieht, wenn ich ihm etwas sage (also er liest nicht Zeitung oder so...) und meistens sogar noch auf eine Art und Weise antwortet, die mir zu verstehen gibt, dass er es gehört hat. Hinterher behauptet er dann aber steif und fest, dass ich es nicht gesagt habe oder genau anders oder wie auch immer (auf jeden Fall so, dass es zu seiner Version passt).
Beispiel: Unser kleiner Sohn hat mich gestern Abend vorm Schlafengehen inständig darum gebeten, dass sein Haus aus Duplo-Steinen bitte nicht abgebaut wird, damit er am nächsten Tag noch damit spielen kann (er ist 3 und hat kein eigene Kinderzimmer, so dass sein Spielzeug in unserem Wohnzimmer ist). Mein Mann war zu dem Zeitpunkt nicht da. Als er später nach Hause kam, sagte ich zu ihm klar und deutlich: "Du kannst seine Zoo-Ecke wegräumen, aber bitte lass das Duplo-Haus stehen." Er sah mich dabei wieder sehr aufmerksam an und sagte: "Ok, mache ich nach dem Duschen." Er baute alles ab (fiel mir nicht auf, weil ich in meinem Arbeitszimmer war und noch an einem Projekt arbeitete) und heute morgen weinte unser Kleiner bitterliche Tränen, weil das Haus weg war. Mein Mann behauptete steif und fest, dass ich gestern Abend gesagt habe "Räume das Duplo-Haus ab" - "Zoo-Ecke" hätte ich angeblich mit keinem Wort erwähnt.

Das mag alles sehr lächerlich klingen, aber wenn das täglich 2-3-mal passiert, dann ist es wirklich sehr ermüdend und kann auch zu wirklichen Problemen im Tagesablauf führen. Besonders nervend ist, dass er wirklich 100% davon überzeugt ist, dass ich etwas anderes bzw. gar nichts gesagt habe. (Bitte geht bei der folgenden Diskussion davon aus, dass meine Version der Geschicht stimmt. Mir ist schon klar, dass nun jemand sagen könnte "Kann ja aber sein, dass seine Version stimmt." - bringt mir aber für die Diskussion dieses Problems absolut nichts.)

Er ist 41, nicht wirklich überarbeitet (kann also kein Stresssymptom sein) und war schon immer etwas zerstreut und vergesslich. Allerdings wird es in letzter Zeit eindeutig schlimmer. In seiner Familie gibt es eine starke Neigung zu Alzheimer - etliche Geschwister seiner Mutter haben mit 50 schon Alzheimer gehabt. Seine Mutter ist auch extrem vergesslich und hat's evtl. auch im Frühstadium (verleugnet, dass es Probleme gibt - Arztbesuch unmöglich).

Ich weiß nun nicht, was ich machen soll. Ich kann ja nicht ununterbrochen mit einem Diktiergerät in der Hand herumrennen und aufnehmen, was ich ihm sage, damit ich es ihm dann hinterher beweisen kann...heute Morgen einigten wir uns darauf, dass er immer alles wiederholen wird, was ich sage, aber das kann doch kein dauerhafter Zustand sein (und diese Papagei-Methode werden wir eh nicht durchhalten - er müsste ja praktisch wirklich alles wiederholen, was ich sage...). Ich mache mir Sorgen, dass mit ihm etwas wirklich nicht stimmt und ich ihm eigentlich irgendwie helfen müsste...wenn es aber kein Anzeichen für eine Krankheit ist, dann ist es eine wirklich schlimme Angewohnheit und ich weiß nicht, wie ich das Problem lösen kann.
Vielleicht ist das ja irgendein Tick, den er entwickelt, weil es in unserer Ehe nicht wahnsinnig toll läuft? Er hat kaum Arbeit als freiberuflicher Englischlehrer, während ich mich halb totarbeite, um die Familie finanziell über Wasser zu halten. Das bringt logischerweise Spannungen und Probleme mit sich und sein Ego ist auch ziemlich angekratzt.

Ich wäre für ein paar Meinungen sehr dankbar. Ich selbst weiß nicht mehr, was ich in dieser verfahrenen Situation noch machen kann. Er selbst scheint über diese Situationen superschnell hinwegzukommen während ich mich stundenlang damit martere, was mit meinem Mann eigentlich los ist...

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24. September 2011 um 10:22

Präsenile Demenz
Hallo Seraphina,

Es gibt verschiedene Formen der Demenz. Die meisten Fälle treten erst im hohen Alter auf und sind in der Regel eher nicht erblich bedingt. Bei früh einsetzender Demenz sieht das schon anders aus.Demenzen, die vor dem 60. Lebensjahr auftreten nennt man präsenile Demenz, und die ist erblich. Da du schreibst, dass die Familienanamnese deines Mannes positiv ist, das heißt, mehrere Fälle präseniler Demenz bekannt sind, ist das in der Tat ein Alarmzeichen.

Ist die Merkfähigkeit das einzige, das sich verschlechtert hat, oder gibt es noch andere Veränderungen, die dir aufgefallen sind? Beispielsweise Verhaltensänderungen, Stimmungsschwankungen (die vorher nicht da waren) oder Orientierungsstörungen (findet er zum Beispiel von einem Spaziergang nicht zurück?). Vergisst er auch Termine, die er selbst gemacht hat? Zieht er sich aus dem sozialen Leben zurück? All das könnten weitere Anzeichen sein, die mit einer möglichen Demenzerkrankung einher gehen.

Es kann aber genauso eine ganze Reihe anderer Ursachen für das Verhalten deines Mannes geben, die vielleicht ganz einfach zu beseitigen sind.
Wenn ich deinen Text so lese, fällt mir als nächste Möglichkeit eine Störung des Hörvermögens oder des Sprachverständnisses ein. Vielleicht gibt es auch da irgendwo die Ursache. Oftmals erkennen Betroffene selbst das erst spät oder gestehen sich derartige Probleme nicht ein, zumal dein Mann noch sehr jung ist.

Klarheit kann dir da aber nur ein Arzt verschaffen und ich würde euch beiden dringend empfehlen diesen so schnell wie möglich aufzusuchen. Denn je eher eine mögliche Demenz erkannt wird, desto besser kann geholfen werden. Das gilt im Übrigen auch für sämtliche andere Erkrankungen, die in Frage kämen. Rede mit deinem Mann und versuche ihn von einem Arztbesuch zu überzeugen.

Ich wünsche euch viel Glück!

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24. September 2011 um 16:32

Recht fauler Kompromiss, aber...
Ich danke Euch für Eure Antworten. Ich habe mich auch noch einmal bei einem Psychologen kundig gemacht und der meinte auch, dass man das durchaus nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte.
Mein Mann und ich haben vor ein paar Tagen ein sehr ausführliches Gespräch zu dem Thema gehabt...im Moment sind wir erst mal zu dem Kompromiss gekommen, dass er auf jeden Fall nachfragt, wenn ihm irgendwas komisch vorkommt und ich werde insgeheim die Sache genau in den nächsten paar Wochen beobachten, da mir das alles ein bisschen suspekt ist. Er weigert sich natürlich, dass das irgendetwas mit seinem Gedächtnis zu tun haben könnte und gegen seinen Willen kann ich ihn ja nun auch nicht zum Arzt schleifen. Es könnte auch tatsächlich ein Hörproblem sein...ich werde jetzt einfach erst einmal sehr sehr aufmerksam beobachten und auch aufpassen, dass ich wirklich absolut deutlich spreche und er sich in Hörweite befindet. Wenn es dann immer noch nicht besser wird, dann werde ich das Thema doch nochmal ansprechen und darauf bestehen, dass er wirklich mal zum Arzt geht.
Ansonsten ist er eigentlich so wie immer, wobei er aber halt wirklich immer schon sehr viel zerstreuter und vergesslicher war, als die meisten Menschen...aber zumindest scheint es bis auf die "Hab's nicht gehört"-Masche nicht wirklich schlimmer geworden zu sein. Allerdings hat er sich zweimal innerhalb der letzten 3 Wochen an Dinge erinnert, die nie passiert sind...das hat mich auch etwas nachdenklich gestimmt, aber sein Gedächtnis war schon immer mies, so dass es durchaus sein könnte, dass sich das noch im Normalbereich befindet...
Beunruhigend ist das schon alles irgendwie, aber zumindest ist nun erst mal ein paar Tage lang kein größeres Missverständnis aufgetreten.

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