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Alkoholkranke und depressive Mutter

8. Juni um 12:24

Hallo zusammen, 

über so viele Jahre frage ich Menschen nach ihren Erfahrungen und Meinungen, Ideen und Anregungen. 
Ich bin w/26 Jahre, bin nur bei meiner Mutter aufgewachsen (seit ich 5 Jahre alt war) und seit ich mich erinnere, hat meine Mutter Depressionen und um diese zu betäuben trinkt sie.
Meine Kindheit war von den Depressionen geprägt, ich möchte keineswegs jammern. Solange es meiner Mutter gut ging (in Form von keiner Depression), war sie wirklich toll, sie hat sich super um mich gekümmert, hat alles am Laufen gehalten, hat mir alles ermöglicht und war nebenbei ja auch noch Vollzeitberufstätig.
Dafür hat sie meinen vollen Respekt.
Schwierig waren die Zeiten der Depressionen, als einzige nicht von der Klassenfahrt abgeholt werden, Mutter schläft den ganzen Tag, geht nicht einkaufen, kochen, Hausaufgabenhilfe..Fährt betrunken Auto, verliert ihr Handy und vieles mehr. 
Das hat sich, mit vielen schlimmen Situation, gezogen bis ich 16 Jahre alt war und ausziehen wollte. Ich dachte, die räumliche Distanz hilft, was leider bis heute (10 Jahre später, mehrere eigene Wohnungen, nun wohne ich mit meinem Verlobten zusammen) nichts hilft. Das ich sie nicht "sehe" macht gar nichts besser, zumal sie in dem Zustand nicht ans Handy geht oder die Tür aufmacht.
Sie ist seit Jahren Single, sie raucht wie verrückt und ist Frührentnerin (Herzinfarkt 2012 und Depressionen)

Über die ganzen Jahre habe ich mich mehr als einmal in das Thema Depressionen und Alkoholismus eingelesen. Ich denke, ich weiß so ziemlich alles von dem, was man als "nicht Betroffener" oder "Co Abhängiger" wissen und nachvollziehen kann. Es bringt mich aber nicht weiter. 
Im Abstand von immer ca. 3 Monaten, verändert sich meine Mutter.
Von der gutgelaunten, aktiven, lustigen, fürsorglichen, lachenden Mutter zur anderen Person. Zu "ja mir geht es halt nicht gut, ich will schlafen, nein ich habe nicht getrunken (Lüge), lass mich doch einfach in Ruhe". Vorallem letzteres ist auf jedenfall der Alkohol, dass würde sie ansonsten niemals zu mir sagen. 

Wie gerne würde ich sie in Ruhe lassen, mein Ding durchziehen (immerhin plane ich meine Hochzeit, habe einen Vollzeitjob, wir sind in der Kinderwunschphase, mache Sport und habe Freunde). Aber ich schaffe es nicht. Was einfach daran liegt, dass es für mich (für meine Mutter) dabei um Leben und Tod geht. Sie trinkt nicht "etwas" sondern sie schießt sich völlig weg. Jede einzelne Depression bisher, endete beim Entzug, Polizei, Ausnüchterungszelle. Sie passt nicht auf sich selbst auf. Abgesehen davon, dass sie mit dem Herzinfarkt vor 6 Jahren noch raucht... und nicht wenig.
Ich habe das Gefühl, sie weiß ja, dass ich sie jedes mal "rette" im Sinne von Krankenwagen rufen etc... (beim letzten mal habe ich es einfach ignoriert, bis sie mir abends in Whatsapp nur ein "Hilfe" schrieb, obwohl eigentlich nichts schlimmes war... Psychoterror). 

Ich will das aber nicht mehr, Ich will dass sie Verantwortung für sich übernimmt und ich mein Leben habe. Nach so vielen Therapien unterschiedlichster Art und Länge muss es doch irgendwann mal Klick machen, viel weiter runter geht es nicht mehr. Ja, das klingt alles vermutlich sehr egoistisch... aber ich denke nur diejenigen, die ähnliches erlebt haben wissen wie ich das meine. 

War jemand schon mal in meiner Situation? Vielleicht in der meiner Mutter? Wie soll ich mich verhalten? 

Edit: "Brech den Kontakt ab und denke an dich" habe ich erfolglos probiert. Ich habe sie einfach trotz der ewigen Lügen lieb, geht es ihr gut, sind wir ein Herz und eine Seele. 
 

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10. Juni um 14:14

Liebe hibbeltante,

du schreibst, du möchtest, dass deine Mutter Verantwortung für sich übernimmt. Dieser Wunsch ist verständlich. Das Problem dabei: wenn sie das nicht möchte, wirst du sie leider nicht dazu bringen können. Es gibt tatsächlich Menschen, bei denen Therapien überhaupt nichts bringen, weil sie sie in Wahrheit überhaupt nicht wollen.

Da kannst du dann leider wirklich nur zugucken. Das Beste wird sein, dass du dich abgrenzt. Du musst für dich einfach akzeptieren, dass deine Mutter so ist, wie sie ist. Hör auf, zu kämpfen, dich dagegen aufzulehnen. Nimm es einfach an, wie es ist. Dann wird dir die Abgrenzung zu ihr auch leichter fallen. 

Sag deiner Mutter, dass du sie ab sofort nicht mehr retten wirst. Du kannst einen Krankenwagen rufen (dazu bist du sogar vom Gesetz her verpflichtet), aber mehr musst du nicht tun. Sag ihr, dass du akzeptiert hast, dass sie nunmal süchtig und krank ist und keine Veränderung möchte, aber dass sie sich dann eben auch im Gegensatz auch nicht mehr an dich klammern soll. Du bist ihre Tochter und nicht ihre Therapeutin.

Du bist mittlerweile schon co-abhängig und dagegen solltest du etwas tun. Lies dich über Co-Abhängigkeit ein und ich würde dir auch einen Besuch an einer Angehörigen-Selbsthilfegruppe (also einer Gruppe für Angehörige Suchtkranker) raten. Ich habe leider so etwas selbst erleben müssen und mir hat die Selbsthilfegruppe sehr geholfen bzw. tut sie es immer noch (ich besuche sie nach wie vor).

Der allererste Schritt ist es, sich aus der Co-Abhängigkeit zu befreien und zu erkennen, dass man da einfach nicht helfen kann, sich abgrenzen muss, um nicht selbst zugrunde zu gehen. Dazu gehört es, die Suchterkrankung bzw. auch psychische Erkrankung einfach zu akzeptieren und nicht mehr dagegen anzukämpfen.

Hier noch ein paar Links für dich:

https://www.kenn-dein-limit.de/alkohol/alkoholabhaengigkeit/angehoerige-und-co-abhaengigkeit/

https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/selbsthilfe-angehoerige/selbsthilfe/selbsthilfegruppen/

Alles Gute und LG,
Elisabeth

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