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ADS oder ADHS im Erwachsenenalter?

30. November 2016 um 10:21

Hallo Zusammen,
evtl. hat jemand von Euch in dieser Richtung schon Erfahrungen gemacht und kann mir weiterhelfen. Um einen Einblick zu bekommen muss ich ein wenig ausholen. Also es geht um meine Oma - und ich bin der Meinung sie hat eine Aufmerksamkeitsstörung. Alles began vor knapp 3 Jahren, da ist mein Bruder an Mukoviszidose verstorben. Es hat sie und uns natürlich stark mitgenommen, auch wenn wir wussten, das der Tag irgendwann kommt, so ist es doch nicht leicht, wenn es dann soweit ist. Jedenfalls hat sie am Tag der Trauerfeier auf einmal Herzprobleme bekommen und musste vom Friedhof aus in die Uniklinik mit verdacht auf Herzinfakt. Brocken Heart Syndrom war die Diagnose. Kurze Zeit später wieder zu hause, das gleiche wieder, erneut Krankenhausaufenthalt, man konnte aber nichts finden. Die Ärzte rieten zu einer pychosomatischen Behandlung. Oma lehnte es ab. Zum Psychater gingen ja schließlich nur Bekloppte, war ihre Aussage. Leidend ging es dann weiter, jedesmal wenn ich zu Besuch war konnte ich mir anhören, wie sie unter dem Tod meines Bruders litt, was sie alles für Ihn getan hat, das er ja wie ihr eigenes Kind war etc. etc. Ohne Rücksicht darauf, wie es für meine Eltern war, die die letzten beiden Jahre, fast ausschließlich im Krankenhaus waren und ich die von der Arbeit bis in die Abendstunden an seinem Bett gehockt habe (Sie wollte meistens nicht hin, wurde ihr zu spät von der Zeit her, war es schon dunkel draußen etc.) Als nächstes kamen dann die Vorwürfe, wir hätten uns die Wochen nach dem Tod nicht mit ihr Beschäftigt. Sie wäre immer alleine gewesen. Sie wohnt bei meinen Eltern im Haus, jeden Nachmittag wird zusammen Kaffee getrunken, wenn ich komme ist mein 1. Gang immer zu Ihr, um ein Pläuschen zu halten. Aber das auch wir erst mal mit der Trauer und dem Schmerz klar kommen mussten, das konnte sie nicht verstehen.

Richtig schlimm wurde es dann aber vor ca. 5 Monaten! Es begann mit einer Verschleppten Blasenentzündung, weil wir sie nicht zum Arzt bekommen haben, sie hatte eine Ihrer Sendungen im TV gesehen, in dem eine Junge Frau über die gleichen Symptome klagte, und das wäre ein Vaginalkarzinom, und wenn sie das jetzt auch hätte, dann würde sie da jetzt auch dran sterben, dann würde sie Niki (meinen Bruder) wiedersehen. Als es dann doch immer Schlimmer wurde, hat meiner Mutter sie dann doch endlich überreden können zum Arzt zu gehen - und es wurde wieder alles gut. Im September, meiner Eltern wollten in den Urlaub - Oma beklagt sich über Herzschmerzen, hoher Blutdruck (was im Alter von 85 Jahren durchaus vorkommen kann) aber Schmerzen sind so stark, lt. Ihrer Aussage, wie ein Vulkan (was auch immer das bedeutet, genaue Angaben über Schmerzen, kann sie leider nie machen) das der Notarzt gerufen wird. Ab ins Krankenhaus, lt. Oma´s Aussage ihr Herz - lt. Arzt alles gut, 2 Tage später die Entlassung. Oktober, das gleiche Spiel, Oma klagt über Herzschmerzen, Atemnot... Notarzt wird gerufen. Lt. Oma, Herzinfakt, das Herz kaputt. Lt. Arzt alles gut, erhöhter Blutdruck, Wechsel der Medikamente 3 Tage später Entlassung. Einige Tage später zu Hause, sagt sie sie könnte kein Fernsehen mehr schauen, sie könnte die Zeitung nicht mehr lesen, alles würde sie aufregen. Das wäre von dem Zimmer im Krankenhaus gekommen, sie hätte dort kein Fenster gehabt (Sie hat auf einer Überwachungsstation gelegen, 3 Betten pro Zimmer, alle Betten durch Milchglaswände getrennt, sie hatte das Mittlere Bett. Nachts ohne Schlaftabletten Schlafen unmöglich etc. Tablettenwechsel, weil sie immer noch über Atemnot klagte. Sie geht nirgends mehr hin, nehmen wir sie auf Geburtstag mit, kann man sie nach einigen Minuten wieder nach Hause bringen, weil sie keine Luft bekommt. Zu Freunden geht sie nicht mehr, weil sie dort keine Luft bekommt. TV kann sie wieder schauen, von Mittags bis Abends, ohne Probleme. Gestern dann das gleiche Spiel - Atemnot - wieder wurde der Notarzt gerufen, noch im Krankenwagen wurde alles abgecheckt, Ihre Sauerstoffsättigung lag bei 98 %. Blutdruck war etwas erhöht, aber der Notarzt meinte es ist alles gut mit ihr.

Oma, kann nie still sitzen, entweder wippt der Fuss, oder sie kruschelt Papier zwischen den Fingern, immer eine kleine Bewegung, sie hört nicht zu (allerdings ist sie auch leicht Schwerhörig, was allerdings nicht stimmt lt. Ihrer Aussage, Hörgerät verweigert sie, gucken geht auch nicht mehr, aber auch das stimmt nicht - sie sieht die Tannenzapfen am Waldrand lt. Ihrer Aussage) Sie unterbricht die ständig, lässt dich nicht ausreden, auch wenn anderen Leute miteinander reden, reden sie dazwischen. Ich habe ihr bereits mehrfach gesagt, das das unhöflich ist, was sie tut, aber sie sagt, sie würde es sonst vergessen, was sie erzählen will, was ich ihr auch glaube.
Wenn ich mich mit jemanden der zu Besuch ist unterhalte und Oma redet dazwischen, sage ich ihr immer, das ich mich nur auf ein Gespräch konzentrieren kann und da das was sie meistens zu sagen hat, eine Geschichte von vor 70 Jahren ist, die ich auch schon 100 mal gehört habe, konzentriere ich mich dann eher auf das was ich noch nicht kenne. Und jedesmal dann, bekommt sie Atemnot, Rückenschmerzen, Krämpfe im Rücken und ich muss ihr dann minutenlang den Rücken reiben. Bis alle Aufmerksamkeit wieder voll und ganz auf ihr Leiden gerichtet ist.

Wir wissen ehrlich gesagt nicht mehr was wir machen sollen. Ich könnte ausrasten. Es macht mich wahnsinnig. Meine Mutter arbeitet seit einigen Wochen wieder (nach dem Tod von meinem Bruder war das Unmöglich in Ihrem Job als Krankenschwester) sie unternimmt viel mit Freunden, sie hat wieder Spaß und das gerade jetzt zu der Dunklen Jahreszeit und jetzt kommt Oma und jeden Tag mit einer neuen Krankheit um die Ecke. Mein erster Impuls sagt mir, sie einweisen zu lassen. Aber evtl. habt Ihr eine Idee, was man erst einmal tun kann.

Dankeschön.

Liebe Grüße

Jule

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30. November 2016 um 11:11
In Antwort auf jule30382

Hallo Zusammen,
evtl. hat jemand von Euch in dieser Richtung schon Erfahrungen gemacht und kann mir weiterhelfen. Um einen Einblick zu bekommen muss ich ein wenig ausholen. Also es geht um meine Oma - und ich bin der Meinung sie hat eine Aufmerksamkeitsstörung. Alles began vor knapp 3 Jahren, da ist mein Bruder an Mukoviszidose verstorben. Es hat sie und uns natürlich stark mitgenommen, auch wenn wir wussten, das der Tag irgendwann kommt, so ist es doch nicht leicht, wenn es dann soweit ist. Jedenfalls hat sie am Tag der Trauerfeier auf einmal Herzprobleme bekommen und musste vom Friedhof aus in die Uniklinik mit verdacht auf Herzinfakt. Brocken Heart Syndrom war die Diagnose. Kurze Zeit später wieder zu hause, das gleiche wieder, erneut Krankenhausaufenthalt, man konnte aber nichts finden. Die Ärzte rieten zu einer pychosomatischen Behandlung. Oma lehnte es ab. Zum Psychater gingen ja schließlich nur Bekloppte, war ihre Aussage. Leidend ging es dann weiter, jedesmal wenn ich zu Besuch war konnte ich mir anhören, wie sie unter dem Tod meines Bruders litt, was sie alles für Ihn getan hat, das er ja wie ihr eigenes Kind war etc. etc. Ohne Rücksicht darauf, wie es für meine Eltern war, die die letzten beiden Jahre, fast ausschließlich im Krankenhaus waren und ich die von der Arbeit bis in die Abendstunden an seinem Bett gehockt habe (Sie wollte meistens nicht hin, wurde ihr zu spät von der Zeit her, war es schon dunkel draußen etc.) Als nächstes kamen dann die Vorwürfe, wir hätten uns die Wochen nach dem Tod nicht mit ihr Beschäftigt. Sie wäre immer alleine gewesen. Sie wohnt bei meinen Eltern im Haus, jeden Nachmittag wird zusammen Kaffee getrunken, wenn ich komme ist mein 1. Gang immer zu Ihr, um ein Pläuschen zu halten. Aber das auch wir erst mal mit der Trauer und dem Schmerz klar kommen mussten, das konnte sie nicht verstehen. 

Richtig schlimm wurde es dann aber vor ca. 5 Monaten! Es begann mit einer Verschleppten Blasenentzündung, weil wir sie nicht zum Arzt bekommen haben, sie hatte eine Ihrer Sendungen im TV gesehen, in dem eine Junge Frau über die gleichen Symptome klagte, und das wäre ein Vaginalkarzinom, und wenn sie das jetzt auch hätte, dann würde sie da jetzt auch dran sterben, dann würde sie Niki (meinen Bruder) wiedersehen. Als es dann doch immer Schlimmer wurde, hat meiner Mutter sie dann doch endlich überreden können zum Arzt zu gehen - und es wurde wieder alles gut. Im September, meiner Eltern wollten in den Urlaub - Oma beklagt sich über Herzschmerzen, hoher Blutdruck (was im Alter von 85 Jahren durchaus vorkommen kann) aber Schmerzen sind so stark, lt. Ihrer Aussage, wie ein Vulkan (was auch immer das bedeutet, genaue Angaben über Schmerzen, kann sie leider nie machen) das der Notarzt gerufen wird. Ab ins Krankenhaus, lt. Oma´s Aussage ihr Herz - lt. Arzt alles gut, 2 Tage später die Entlassung. Oktober, das gleiche Spiel, Oma klagt über Herzschmerzen, Atemnot... Notarzt wird gerufen. Lt. Oma, Herzinfakt, das Herz kaputt. Lt. Arzt alles gut, erhöhter Blutdruck, Wechsel der Medikamente 3 Tage später Entlassung. Einige Tage später zu Hause, sagt sie sie könnte kein Fernsehen mehr schauen, sie könnte die Zeitung nicht mehr lesen, alles würde sie aufregen. Das wäre von dem Zimmer im Krankenhaus gekommen, sie hätte dort kein Fenster gehabt (Sie hat auf einer Überwachungsstation gelegen, 3 Betten pro Zimmer, alle Betten durch Milchglaswände getrennt, sie hatte das Mittlere Bett. Nachts ohne Schlaftabletten Schlafen unmöglich etc. Tablettenwechsel, weil sie immer noch über Atemnot klagte. Sie geht nirgends mehr hin, nehmen wir sie auf Geburtstag mit, kann man sie nach einigen Minuten wieder nach Hause bringen, weil sie keine Luft bekommt. Zu Freunden geht sie nicht mehr, weil sie dort keine Luft bekommt. TV kann sie wieder schauen, von Mittags bis Abends, ohne Probleme. Gestern dann das gleiche Spiel - Atemnot - wieder wurde der Notarzt gerufen, noch im Krankenwagen wurde alles abgecheckt, Ihre Sauerstoffsättigung lag bei 98 %. Blutdruck war etwas erhöht, aber der Notarzt meinte es ist alles gut mit ihr.

Oma, kann nie still sitzen, entweder wippt der Fuss, oder sie kruschelt Papier zwischen den Fingern, immer eine kleine Bewegung, sie hört nicht zu (allerdings ist sie auch leicht Schwerhörig, was allerdings nicht stimmt lt. Ihrer Aussage, Hörgerät verweigert sie, gucken geht auch nicht mehr, aber auch das stimmt nicht - sie sieht die Tannenzapfen am Waldrand lt. Ihrer Aussage) Sie unterbricht die ständig, lässt dich nicht ausreden, auch wenn anderen Leute miteinander reden, reden sie dazwischen. Ich habe ihr bereits mehrfach gesagt, das das unhöflich ist, was sie tut, aber sie sagt, sie würde es sonst vergessen, was sie erzählen will, was ich ihr auch glaube.
Wenn ich mich mit jemanden der zu Besuch ist unterhalte und Oma redet dazwischen, sage ich ihr immer, das ich mich nur auf ein Gespräch konzentrieren kann und da das was sie meistens zu sagen hat, eine Geschichte von vor 70 Jahren ist, die ich auch schon 100 mal gehört habe, konzentriere ich mich dann eher auf das was ich noch nicht kenne. Und jedesmal dann, bekommt sie Atemnot, Rückenschmerzen, Krämpfe im Rücken und ich muss ihr dann minutenlang den Rücken reiben. Bis alle Aufmerksamkeit wieder voll und ganz auf ihr Leiden gerichtet ist.

Wir wissen ehrlich gesagt nicht mehr was wir machen sollen. Ich könnte ausrasten. Es macht mich wahnsinnig. Meine Mutter arbeitet seit einigen Wochen wieder (nach dem Tod von meinem Bruder war das Unmöglich in Ihrem Job als Krankenschwester) sie unternimmt viel mit Freunden, sie hat wieder Spaß und das gerade jetzt zu der Dunklen Jahreszeit und jetzt kommt Oma und jeden Tag mit einer neuen Krankheit um die Ecke. Mein erster Impuls sagt mir, sie einweisen zu lassen. Aber evtl. habt Ihr eine Idee, was man erst einmal tun kann.

Dankeschön.

Liebe Grüße

Jule

nun, mit ADS im Erwachsenen-Alter habe ich Erfahrungen, aber das wird Dir jetzt kein Stück weiter helfen.

Du kannst Deine Oma nicht gegen ihren Willen therapieren und diagnstizieren lassen - zum Glück. Was auch immer sie hat oder nicht hat - ob sie damit zum Arzt geht oder nicht ist allein Ihre Entscheidung. Das einzige, was ihr tun könnt, wenn es so arg ist, dass ihr damit nicht leben könnt und / oder wollt, ist, dass ihr sie ev. darauf hinweist, dass sie mal mit ihrem Arzt darüber sprechen soll - und ansonsten ggf. selbst auf Distanz geht.

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