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Abgrund

26. November 2011 um 0:16 Letzte Antwort: 26. November 2011 um 13:13

Hallo allerseits!

Ich warne euch gleich vor: dieser Artikel wird ziemlich egozentrisch, sprich: er handelt fast nur von mir. Ich hoffe trotzdem, dass der eine oder andere von euch einen guten Ratschlag bei der Hand hat und wenn nicht habe ich mich immerhin mal ausgeheult

Meine Lebensumstände: Ich habe gerade mit meinem Studium angefangen, weiß auch, dass ich das, was ich studiere, unbedingt machen will. Dort habe ich einige neue Leute kennen gelernt, wir sind auf dem Weg, freunde zu werden. Das Studium ist stressig, aber das ist es wert. Mit anderen Worten: Mein Leben läuft super.

Mein Leben ist super, aber mir geht's nicht super.
Also, oft schon. Es gibt Momente, da bin ich überglücklich, wenn ich z.B. mit besagten Freunden was mache etc. Und ich bin eigentlich auch ein Mensch, der die meiste Zeit glücklich ist, wenn ich nicht zu müde bin. Normalerweise reicht nur frische Luft, eine glückliche Erinnerung oder die Art, wie das Abendrot auf meine Straße fällt, um mich richtig, richtig glücklich zu machen. Ich kann mich an Kleinigkeiten erfreuen, gelte als "verdammte Optimistin", mag mein Leben, auch in den Zeiten (früher), in denen es nciht so super lief.

Aber in letzter Zeit ist es immer mehr so, dass ich mich nciht auf mich selbst bzw. meine Stimmungen verlassen kann. Dann bin ich richtig fertig mit der welt - teilweise mit Grund, teilweise ohne. Tendenziell tritt das eher auf, wenn ich müde/erschöpft/kraftlos bin.
Einige Beispiele:
1) Ich habe zwei Freundinnen, die in gewisser Weise "Problemfälle" sind. Beide sind aber in Therapie. Mit Prolemfälle meine ich die Richtung SVV/Suizidgedanken/Essstörungen/Depressionen/...
Hinzu kommt, dass meine Mutter, seit ich 13 bin, Krebs hat, und jetzt hatte ich einen Moment den Eindruck, sie hätte den Kampfgeist verloren. Sie verlässt kaum noch das Haus, macht nix mehr etc. Alle drei sind aber in einer Lage, die schon seit längerem so ist, ich hab mich dran gewöhnt etc.
Aber als es mir so mies ging, dachte ich mir, warum studier ich das, warum will ich Leuten helfen, wenn doch sowieso niemand Leben will.
Natürlich weiß ich, dass es nciht so ist, dass *niemand* leben will und auch die drei angesprochenen Personen wollen eigtl. leben. Das weiß ich. Aber in dem Moment habe ich das ernsthaft gedacht: Dass niemand leben will. Dass ich mir das helfen-wollen sparen kann, will ja niemand leben. Ich war völlig fertig, konnte mich überhaupt nciht davon abbringen, bin zugeknöpft von vorlesung zu Vorlesung gewandelt und war innerlich am Verzweifeln. Richtig am verzweifeln. Ich kan da auch eine ganze Zeit nciht mehr raus.
2) Ich war schon immer recht gleichgültig gegen meinen eigenen Körper, habe z.B. von irgendeinem Typen irgendwelche Tabletten genommen, weil ich neugierig war, ich fand es spannend, und mir war es relativ egal, wenn mir etwas passiert. Inzwischen geht es aber (in diesen gewissen Phasen) weiter: Ich fühle mich so leer, auf so eine unangenehme Art, ich kann das nciht wirklich beschreiben, es geht mir einfach schlecht, dass ich mir Drogen wünsche, einfach um wieder glücklich zu sein, wie ich es doch sonst bin. Es geht mir inzwiscen weniger um das "mich trauen" sondern mehr um das Glücklichsein und auch darum, dass ich mir ein abgefahrenes Erlebnis habe. Zu meinem Glück bin ich in solchen Momenten nie in situationen, in denen ich mit Drogen in Kontakt käme, eigentlich, wenn ich klar denke, will ich ja keine Drogensucht, aber wie gesagt, in diesen Phasen, da kann ich so nicht denken. Da ist das einzige, was ich denke, wie schlecht es mir geht.
Aber wenn es so weiter geht, habe ich Angst, dass ich mein Studium nciht ohne Drogensucht überstehen werde. In diesen Phasen habe ich ein richtiges "Verlangen" nach irgendwas.
3) Die Leute, die ich an der Uni kennen gelernt habe, sind ziemlich "brav". Wenn sie mal mit "kaputten" Leuten wie z.B. meinen oben beschriebenen Freundinnen zu tun hatten, dann sind sie ihnen nicht so weit gefolgt, dass sie in diesen "Abgrund", wie ich es für mich nenne, selbst hineingeschaut hätten. Mit "Abgrund" meine ich dieses ganze mit nciht mehr Leben wollen, sich selbst kaputt machen, das Krankhafte.
Ich habe das Gefühl (in besagten Momenten), dass uns das trennt. Dass da etwas ist, worüber ich nie, niemals mit ihnen reden könnte. (Was meint ihr, warum ich anonym in einem Forum schreibe?)
Und im nächsten Moment habe ich Angst, dass sie hinter meine Fassade blicken, dass sie sehen, wie ich bin, oder ich befürchte, dass sie mich auf eine Art sehen, wie cih vllt gar nciht wirklich bin, aber sie könnten mich so sehen, und mich nicht mehr mögen, und sich von mir abwenden und cih würde sie verlieren...

Aber wie gesagt, solche Sachen denke ich nur manchmal, dann zieht es mich ganz extrem runter. Und manchmal ist diese düstere Gedankenwelt sehr weit von mir entfernt, ich bin einfach nur glücklich, mein Leben verläuft ja gerade auch super, ich hab tolle Freunde, freu mich meines Lebens... Da denk ich gar nciht daran, dass ich manchmal so düstere Sachen denke.
Und andererseits erscheinen mir die fröhlichen Zeiten in den düsteren Zeiten so unglaublich weit weg... kaum noch existent...

Vielen Dank für's Lesen!
gute Nacht,
NoEffiB

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26. November 2011 um 13:13

Danke!!!
Vielen Dank für eure Antworten!!!

Sublimentierung, ich weiß ganz genau, welchen Weg ich gehen will. Lange Zeit war ich mir unsicher, aber jetzt nicht mehr. Und ich gehe diesen Weg, und ich schaffe es, und trotzdem sind da diese Momente wo ich nichts mehr will. Und einfach nicht mehr kann und alles mir schrecklich vorkommt. Aber vielleicht hast du recht, vielleicht sollte ich diese Tiefpunkte als konstruktive Kritik von mir an mir selbst sehen, die mich dazu anhält, mich selbst und meine Handlungsweisen zu hinterfragen. Wäre nur wünschenswert, wenn ich dann nicht so absolut am Boden bin, sondern noch handlungsfähig. Andererseits ist in glücklichen Momenten alles negative vergessen.
Klar weiß ich, dass Drogen nicht super sind.
Obwohl ich das *weiß* und auch einiges andere, denke ich in solchen Momenten was völlig anderes. Als wäre meine Ratio ausgeschaltet.
Zur Psychiatrie, da magst du in manchen Punkten recht haben, aber ich halte deine Ansicht, sei mir nicht böse, für etwas einseitig. Ich hab mal ein Praktikum in einer neuropsychiatrischen Station gemacht, und viele Menschen dort haben Psychopharmaka bekommen gegen z.B. Hyperkinesien. Ihre Bewegungsstörungen waren so groß, dass sie ohne Medikamente nicht alleine gehen konnten, von alleine essen ganz zu schweigen, dass sie ständig Gefahr liefen sich zu verletzen. Mit Medis ging es einigermaßen. Klar, es ist eine Anpassung an die Norm, wenn man ihnen Zeug gibt, durch das sie sich normal bewegen können, aber diese Menschen wollten das, denn sie wollten alleine essen können etc.
Eine Freundin von mir ist magersüchtig und jetzt auhc in einer Psychiatrie, weil sie so stark verlangsamt ist, dass sie ihr Studium nicht packt. Das möchte sie aber. sie ist freiwillig dahin gegangen. sie möchte auch weg von der Magersucht. Ja, klar, man könnte sagen, jetzt wird versucht, die gesellschaftliche Norm, die "weder zu dick, noch zu dünn" lautet, auf sie zu übertragen, aber ganz ehrlich, das ist mir lieber als wenn sie stirbt!
Scher also Psychiatrien nicht generell über einen Kamm, sie bestehen aus vielen unterschiedlichen Stationen und Facetten. Und unter Umständen will der eine oder andere Alkoholiker mit Frau und kleinen Kindern auf der Entzugsstation auch vom Alkohol wegkommen...

Arabella, vielen Dank für deine einfühlsame Antwort. Ich werde versuchen, diese Tiefpunkte einfach als "Ladephase" zu sehen. Auch, wenn mir das schwer fällt, wenn ich daran arbeite, kann ich es bestimmt schaffen. Viellleicht sollte ich mir immer, wenn ich so einen Müll denke, sagen: Okay, das denkst du nur deshalb so krass, weil du fertig bist. Vielleicht ist ein Kernchen Wahrheit/konstruktive Kritik an mir selbst dran, aber so schlimm, wie es jetzt aussieht, sit es unter Garantie nicht, du bist nur müde und überempfindlich."
Meinen Freunden will ich das nur ungern aufhalsen, sie müssen sich schon um genug Leute sorgen machen, da muss ich nicht auch noch dazugehören. Sonst ist deren "Akku" bald leer. Außerdem ist es bei mir ja immer vorübergehend.

Alles Liebe und nochmal Danke,
NoEffiB

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