Forum / Psychologie & Persönlichkeit / Vergewaltigung und sexueller Missbrauch

4 jahre danach...

11. Januar 2012 um 13:57 Letzte Antwort: 14. Januar 2012 um 14:35

Man hört die ganze zeit nur von brutalen übergriffen, mit anschließendem krankenhausaufenthalten, von polizei und anzeigen, und hab das gefühl, dass ich mit meinem kleinen problem gar nicht wirklich hier her gehöre..
Bei mir war der vorfall nur mit meinem exfreund vor 4 jahren. Er kam betrunken mitten in der nacht zu mir, damals war ich 17 und hab noch bei meiner mama gewohnt.
Ich war gar nicht richtig wach, und hab gemerkt, dass er mit mir schlafen wollte. Ich dachte, ich tu ihm den gefallen, und hab ihn machen lassen. Es tat dann allerdings weh, weil es bei ihm eigentlich nie ein richtiges vorspiel gab. Also hab ich ihm gesagt, dass es weh tut, und dass er aufhören soll. Er hat weitergemacht, und ich dachte, er hätte mich nicht gehört. Also, hab ichs nochmal lauter gesagt, und hab ihn leicht weggedrückt. Nachdem er aber einfach weitergemacht hat, und sich auf meine arme gestützt hat, damit ich ihn nicht mehr wegdrücken kann, hab ich gemerkt, dass da etwas nicht stimmt. Also hab ich hab ich ihn angefleht aufzuhören, und geweint und ihm immer und immer wieder gesagt, dass er mir weh tut, und versucht ihn wegzudrücken, was nicht so leicht war, weil er ja meine arme festhielt, und ich nicht besonders stark bin.
Ich wollte nicht schreien, weil meine mama und meine kleinen schwestern geschlafen haben,und ich wollte nicht, dass die das mitbekommen.
Nachdem das alles vorbei war, hat er sich neben mich gelegt, und wollte doch tatsächlich noch bei mir übernachten! Ich hab ihm dann gesagt, dass er gehen soll, und er ist richtig sauer geworden und hat die türen geknallt und war richtig aggressiv mir gegenüber.
Am nächsten tag hab ich ihn darauf angesprochen, und angeblich konnte er sich an nichts mehr erinnern, weil er so betrunken war. Filmriss. Alles klar. Er meinte, falls er das tatsächlich getan haben sollte, tue es ihm leid.
Ich war jung und naiv und dumm und hab ihm das verziehen. Und ob ihrs glaubt oder nicht, ich bin noch ein jahr mit ihm zusammen geblieben. Ich konnte nicht mehr mit ihm schlafen, also wurde er immer aggressiver wenn er keinen sex bekam, meinte, ich würde ihn nicht lieben. Ich lag fast jede nacht weinend im bett und er hat mich ignoriert.
das waren also meine ersten erfahrungen mit sex und liebe.
Nachdem schluss war, hab ich gar nicht richtig begriffen, was da alles passiert ist.
Nun kommen allerdings alle ängste von früher hoch. Ich weiß nicht genau. Ich hab manchmal, wenn ich mit meinem jetzigen freund schlafen will, ein total komisches gefühl.. ich denk nicht direkt daran, was mit meinem exfreund war, aber ich hab das gefühl, dass ich dann total blockiere und werde steif und mein herz fängt an zu rasen und ich bekomme panik. ich KANN dann einfach nicht mit ihm schlafen. Das schlimmste ist, wenn er feiern war und getrunken hat. Ich kann den geruch von betrunkenen männern über mir nicht ertragen. Ich hasse es, wenn männer generell betrunken sind. Irgendwie sind fast alle total aufdringlich und ekelig.
Er weiß, was vorgefallen ist, und ist der liebste und beste freund der welt. Aber unsere beziehung wird von dem allen so sehr beeinflusst, und ich wünschte mir, dass ich das alles vergessen kann und mich ganz normal verhalten kann. Ich merke so oft, dass es mir nicht gut geht, wenn im fernsehen eine bestimmte szene läuft oder irgendjemand einfach über sowas spricht.
ich wollte meine geschichte einfach mal aufschreiben. Keine unbekannten männer und dunkel gassen oder sowas. Nur mein exfreund.
Ich bräuchte dringend einen rat oder sowas, wie ich das alles ausblenden kann? Oder wie man damit am besten umgehen kann, wenn der eigene freund einem sowas angetan hat?
Ich hab auch schon bei einer beratungsstelle für solche sachen angerufen.. die haben aber gerade keinen platz, aber melden sich bei mir. Ich weiß gar nicht, ob ich da wirklich hin sollte. Manchmal gehts mir einfach wieder total gut, und es ist, als wenn nichts gewesen wäre! Außerdem hab ich echt angst davor, darüber zu reden. Das fällt mir viel leichter, hier eifnach alles aufzuschreiben..
ganz liebe grüße!

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11. Januar 2012 um 16:32

Du hast alles richtig gemacht
Hallo Jannilein,

ich finde, du hast das gut gemacht. Du hast ihm gesagt, was dich stört und ich finde es gut, dass du das überhaupt konntest. Viele Frauen können es nicht und leiden dann auch noch darunter, dass sie stumm blieben, wo sie hätten laut werden "sollen". Dein Ex hat sich komplett daneben benommen und die Ausrede mit dem Filmriss glaube ich ihm ehrlich gesagt nicht.
Bei welcher Beratungsstelle hast du es denn versucht?
Ist natürlich Mist, dass da nichts frei ist, aber vll gibt noch eine andere Anlaufstelle.
Dass du Probleme hast, diese Dinge auszusprechen ist vollkommen normal, das geht vielen so und auch ich habe immer Synonyme benutzt. Das ist legitim und auch Therapeuten gehen darauf ein.
Ich bin ein Fan von Therapie, weil sie mir super geholfen hat und ich davon überzeugt bin, dass es ohne nicht geht. Ausblenden ist so eine Sache. Ich habe das nie hinbekommen und wurde dann auch trotzig. Ich dachte, wieso muss ich mich dauernd einschränken, bloß weil andere meine Grenzen überschritten haben? Darum begann ich die Therapie, zwar sehr spät, aber da ist es besser spät als nie.
Übrigens sind es nur ganz selten die dunklen Gassen. Der liebe Onkel, der Babysitter oder Freunde sind viel häufiger.
Wenn es dir hilft, zu schreiben, dann sollten wir da tun. Ich werde immer für dich da sein,
Lg, Nelly

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13. Januar 2012 um 0:00
In Antwort auf

Du hast alles richtig gemacht
Hallo Jannilein,

ich finde, du hast das gut gemacht. Du hast ihm gesagt, was dich stört und ich finde es gut, dass du das überhaupt konntest. Viele Frauen können es nicht und leiden dann auch noch darunter, dass sie stumm blieben, wo sie hätten laut werden "sollen". Dein Ex hat sich komplett daneben benommen und die Ausrede mit dem Filmriss glaube ich ihm ehrlich gesagt nicht.
Bei welcher Beratungsstelle hast du es denn versucht?
Ist natürlich Mist, dass da nichts frei ist, aber vll gibt noch eine andere Anlaufstelle.
Dass du Probleme hast, diese Dinge auszusprechen ist vollkommen normal, das geht vielen so und auch ich habe immer Synonyme benutzt. Das ist legitim und auch Therapeuten gehen darauf ein.
Ich bin ein Fan von Therapie, weil sie mir super geholfen hat und ich davon überzeugt bin, dass es ohne nicht geht. Ausblenden ist so eine Sache. Ich habe das nie hinbekommen und wurde dann auch trotzig. Ich dachte, wieso muss ich mich dauernd einschränken, bloß weil andere meine Grenzen überschritten haben? Darum begann ich die Therapie, zwar sehr spät, aber da ist es besser spät als nie.
Übrigens sind es nur ganz selten die dunklen Gassen. Der liebe Onkel, der Babysitter oder Freunde sind viel häufiger.
Wenn es dir hilft, zu schreiben, dann sollten wir da tun. Ich werde immer für dich da sein,
Lg, Nelly

Danke für deine antwort.

das mit dem filmriss hab ich ihm auch von anfang an nicht geglaubt. aber ist halt einfach für ihn gewesen so zu tun, als wenn er nichts wüsste und sich nicht rechtfertigen muss.

ich hab vor 3 monaten bei der psychologische beratungsstelle des notruf für vergewaltigte frauen und mädchen angerufen. die frau am telefon war auch total nett.. nachdem sie meinte, ob ich kurz erzählen könnte worum es geht, bin ich total zusammen gebrochen, und ich bezweifel, dass sie überhaupt verstehen konnte, was ich da unter weinen gestottert habe. die melden sich sobald was frei wird bei mir.. ich will mir eigentlich nicht selber einen therapeuten suchen. ich glaube, da kann man einiges bei falsch machen, und ich kann einfach nicht immer und immer wieder den schritt machen, und das neu angehen, wenns nicht der passende therapeut für mich war.

bei mir gings auch eigentlich die erste zeit.. und ich dachte auch echt, dass ich damit klar komme. aber mein freund meinte dann irgendwann, dass es so nicht mehr weiter geht. und dass es mir nun mal nicht gut geht, und ich nicht alleine damit fertig werde, auch wenn ich das gerne möchte. er hat ja auch recht. nur hab ich echt angst davor, dass alles anzugehen.. ich weiß nciht, was mich erwartet, ob es mir überhaupt hilf, oder alles noch schlimmer macht.

ja, das mit den synonymen.. ich weiß auch nicht. es fällt mir einfach schwer, da offen drüber zu reden und das zu benennen. für mich ist es halt "die sache". und mein freund weiß genau worum es geht, wenn ich alles so umschreibe.

ich les, gerade hier in dem forum, einfach total häufig von extremen fällen.. und hab das gefühl, dass das was ich mitgemacht habe, gar nicht so schlimm ist im vergleich zu allem anderen..

liebe grüße, und danke!

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14. Januar 2012 um 14:35
In Antwort auf

Danke für deine antwort.

das mit dem filmriss hab ich ihm auch von anfang an nicht geglaubt. aber ist halt einfach für ihn gewesen so zu tun, als wenn er nichts wüsste und sich nicht rechtfertigen muss.

ich hab vor 3 monaten bei der psychologische beratungsstelle des notruf für vergewaltigte frauen und mädchen angerufen. die frau am telefon war auch total nett.. nachdem sie meinte, ob ich kurz erzählen könnte worum es geht, bin ich total zusammen gebrochen, und ich bezweifel, dass sie überhaupt verstehen konnte, was ich da unter weinen gestottert habe. die melden sich sobald was frei wird bei mir.. ich will mir eigentlich nicht selber einen therapeuten suchen. ich glaube, da kann man einiges bei falsch machen, und ich kann einfach nicht immer und immer wieder den schritt machen, und das neu angehen, wenns nicht der passende therapeut für mich war.

bei mir gings auch eigentlich die erste zeit.. und ich dachte auch echt, dass ich damit klar komme. aber mein freund meinte dann irgendwann, dass es so nicht mehr weiter geht. und dass es mir nun mal nicht gut geht, und ich nicht alleine damit fertig werde, auch wenn ich das gerne möchte. er hat ja auch recht. nur hab ich echt angst davor, dass alles anzugehen.. ich weiß nciht, was mich erwartet, ob es mir überhaupt hilf, oder alles noch schlimmer macht.

ja, das mit den synonymen.. ich weiß auch nicht. es fällt mir einfach schwer, da offen drüber zu reden und das zu benennen. für mich ist es halt "die sache". und mein freund weiß genau worum es geht, wenn ich alles so umschreibe.

ich les, gerade hier in dem forum, einfach total häufig von extremen fällen.. und hab das gefühl, dass das was ich mitgemacht habe, gar nicht so schlimm ist im vergleich zu allem anderen..

liebe grüße, und danke!

Ich versteh dich
Ich dachte immer: Da bin ich doch selbst dran schuld... Geht es dir auch so?
Stöber doch mal in den ganzen Links. Da sind bestimmt gute Adressen von Kontaktstellen drin. Vll findest du eine Stelle, die früher einen freien Platz hat.
Ichhabe früher übrigens immer mit Aufschreiben gearbeitet, wenn ich mit dem Aussprechen mal wieder nicht so hatte. Mein Psychiater hat mal gesagt, was man nicht ausspricht, ist auch nicht geschehen. Er hat mich immer getröstet, wenn ich wieder Dinge nicht benennen konnte. Dann war ich halt noch nicht soweit, dass ich das Verbrechen für mich akzeptieren konnte.
Übrigens: Ich halte es für falsch, Fälle miteinander zu vergleichen um rauszufinden, wer es am schwersten hat. Ich verstehe zwar total, dass du so denkst, denn das habe ich auch viele Jahre lang gemacht, aber ich habe gelernt, dass Leiden nicht messbar ist. Der Satz: "Du bist vielleicht eine blöde Kuh", bringt die eine Frau zum Lachen und die andere zum Selbstmord.
Ich finde es besser, wenn man auf seine Gefühle hört und ihnen Raum lässt. Dein Leiden ist ernst und es muss auch so gesehen werden. Zumindest sehe ich es als ernst an und bin immer für dich da. Wenn es dir lieber ist, auch gern in PNs. Ganz, wie du möchtest.
Alles Liebe, viel Kraft und alles Gute für dich,
Nelly

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