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15 Jahre

6. Mai 2013 um 1:42

Hallo liebes Forum,

ich, ein Mann Ende 30, möchte mir hier einfach etwas von der Seele schreiben. Ihr könnt etwas dazu sagen, wenn ihr wollt. Offensichtlich nutze ich dafür ein Forum, das sich hauptsächlich an Frauen wendet. Das bedeutet wohl, dass mich vor allem die weibliche Sicht interessiert.

Es ist so, dass ich eine - wie man so sagt - beste Freundin habe, die ich wahnsinnig liebe. Wenn ich ehrlich zu mir bin, sind die Gefühle, die ich für sie habe mehr als feundschaftliche Liebe. Es ist dabei zwar zur Zeit keine "Verliebtheit", aber ich würde mich wohl sofort verlieben, wenn ich spüren würde, dass sie meine Gefühle erwidert.

Ja schön, das ist ja an und für sich jetzt nicht so ein neues und aufregendes Thema. Aber.

Unsere Freundschaft geht jetzt schon über 15 Jahre. Wir haben sehr viel zusammen durchgemacht. Am Anfang war es mehr oder weniger nur so eine Art Arbeitsbeziehung. Wir haben uns als Studenten und Referendare zusammen auf die Staatsexamen vorbereitet. Ich bin ganz gut darin, Dinge zu erkären. Ich hätte das auch ohne Geld getan, aber es war schließlich so, dass sie darauf bestanden hat, mich zu bezahlen, was für mich nicht schlecht war, weil meine Eltern nicht gerade wohlhabend sind und mich nicht in dem Maße im Studium unterstützen konnten. Zu meinem Geburtstag hat sie mich auch immer großzügig beschenkt, einmal habe ich etwa eine wunderschöne schwarze Ledertasche von ihr bekommen, die wohl 200 Euro gekostet haben mag, was damals für mich sehr viel Geld war.

Mit der Zeit haben wir auch regelmäßig zusammen gegessen, haben zusammen etwas unternomme, Kino oder Kneipe, haben auch mal zusammen Fernsehen und Videos geschaut (hey, das war vor ca.10 Jahren, da gabe es noch VHS-Kasetten) .

Sie hatte in der zwischenzeit 2 Freunde - mit dem zweiten Freund hatte sie eine sehr lange Beziehung - war zuletzt aber Singel.

Bei mir ist es so, dass ich leider niemals Glück bei den Frauen hatte. Außer einer ganz kurzen Beziehung mit 20 und einigen Knutschereien mit betrunkenen Kollginnen auf einer Weihnachtsfeier habe ich keine sexuellen Erfahrungen. Keine Jugendliebe. Nichts. Ich sehe zwar ganz ansehnlich aus, bin aber leider etwas "anders". In der Schule und in der Uni war ich immer ein Außenseiter. Mir fehlen zum Bespiel viele Fähigkeiten, die für typisch männlich gehalten werden, wie etwa Orientierungssinn, umfangreiches Faktenwissen. Ich habe zwar einen Führerschein, in aber seit 18 Jahren nicht mehr Pkw gefahren. Mein genaues Problem ist schwer zu erklären, aber bitte glaubt mit es ist "da". Dafür habe ich große Stärken im Bereich des analytischen Denkens und eine "göttliche" Intuition. Dennoch muss man mein Auftreten wohl als verhaltsnauffällig bezeichnen. Insbesondere bin ich oft taktlos ohne es zu wollen und ecke immer wieder an. (Deshalb mag ich auch Peer Steinbrück ). Es war meist so, dass ich zwar schnell Kontakt zu Mädchen gefunden habe, es waren hübsche und weniger hübsche dabei, nach einigen Treffen haben sie dann aber alle das Interesse an mir verloren, eben weil sie merkten, dass "da was nicht stimmt". Wobei sie stets mir mir befreundet bleiben wollten. Das hat meistens nicht funktioniert, Treu geblieben ist mir am Ende nur meine beste Freundin.

Nach dem Referendariat haben sich unsere Wege getrennt, ich bin berufsbedingt in eine kleine Stadt in Niedersachsen gezogen, sie ist in Frankfurt geblieben. Wir sind jedoch immer in Kontakt geblieben und haben mindestens 1x in der Woche miteinander telefoniert. Es ist ein gemeinsames Ritual, dass wir jeden Sonntag nach dem Tatort miteinander telefonieren. Unser Verhältnis wurde nun sogar noch enger. Wir haben uns alles, wirklich alles erzählt. Wir haben uns unsere Erfolge und Niederlagen erzählt, wobei es noch schwieriger ist, jemanden zu finden mit dem man Erfolge teilen kann als Niederlagen, denn auch unter guten Freunden gibt es leider Neid. Zwischen mir und meiner besten Freundin gab es dagegen niemals Neid. Wir haben uns gegenseitig Lebenshilfe gegeben. wobei wir ganz unterscheidliche Stärken haben. Sie hat die soziale Kompetenz, die mir fehlt und ich habe die Fähigkeit zum planvollen Handeln, die ihr manchmal fehtl. Ich habe sie mit meinen und sie hat mich mit ihren Problemen vollgejammert und anschließend haben wir blöde Witze darüber gemacht.

Unser Verhältnis hat sich dann noch vertieft, nachdem sie vor ca. 3 Jahren sich von ihrem Freund getrennt hat.

Oh Mann, ich sehe gerade wie spät es schon ist und muss jetzt leider vorerst eine Pause einlegen. Wenn jemand sich die Mühe macht, soweit zu lesen, werde ich morgen aber weiterschreiben, denn dann wichtigste kommt erst noch.

Viele Grüße, C

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6. Mai 2013 um 5:41

.....
Ich bin gespannt, wie es weiter geht. Kann aber erst heute Abend spät lesen.
Die Geschichte hört sich interessant an, und als Romantikerin sehe ich das Potential zwischen euch.

Ich kann mir trotz deiner Beschreibung nicht ganz vorstellen, was an dir anders ist, aber ich kann dir zumindest aus Sicht einer Frau sagen, dass "normal" auch langweilig sein kann und dass es seinen eigenen Charme hat, wenn ein Mann zugeben kann, bestimmte männertypische Eigenschaften nicht zu haben - z.B. den Orientierungssinn. Ich sehe nämlich oft Männer, die Schwächen nicht zugeben können und dauernd so tun als hätten sie (gerade beim Orientierungssinn - der bei mir nicht optimal ist) den vollen Durchblick.

Kopf hoch und schön weiterschreiben.

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6. Mai 2013 um 20:17

15 Jahre (II)
Vielleicht beschreibe ich zunächst meine Freundin ein wenig und wie sie ist. Also, sie ist Griechin und ihre Eltern leben auf Korfu, wo sie ein kleines Hotel betreiben. Allerdings spricht ist Deutsch ihre zweite Muttersprache, weil ihre Eltern in Frankfurt gelebt haben bis sie 16 Jahre alt war. Sie hat wahnsinnig schöne und riesengroße goldbraune Augen und aschblonde Haar, hübsche hohe Wangenknochen und natürlich einen süße spitze griechische Nase und einen sinnlichen großen Mund mit einem bezaubernden Lächeln. In ihrer Jugend hat sie viel Sport, Leichtathletik, gemacht, was man ihrem Körper auch heute noch ansieht. Ihre Beine sind zwar nicht die längsten, deshalb ist sie auch keine Rockträgerin, sondern bevorzugt Jeans, aber irgendwie stört das nicht, sondern passt vollkommen zu ihr. Einen kleinen Bauch (wirklich nur klein) hat sie ehrlich gesagt dennoch, aber auch das ist eher süß als das es stört. Um endlich mit den Äußerlichkeiten aufzuhören: Das was ich am meisten an ihr schätze ist, dass sie jemand ist, der hervorragend zuhören und andere trösten kann. Sie hat so eine natürlich Herzlichkeite und findet immer die richtigen Worte, um den anderen wieder aufzubauen, wenn ihn etwas bedrückt. Andererseits hat sie natürlich wie jeder Mensch auch schlechte Eigenschaften. Manchmal ist sie etwas launisch und selbstverliebt. Das heißt sie ist manchmal auch etwas eine Prinzessin. Aber selbst das finde ich süß und kann damit inzwischen (meistens) auch umgehen. Es hat auch schon so manchen Streit mit Mobilfunkvertretern oder Kellnerinnen gegeben, wenn ihr etwas nicht passt, dessen sprachloser Zeuge ich sein durfte. Fremdschämen inbegriffen. Sie ist aber immer offen und direkt. Hinterhältigkeiten und Intrigen sind nicht ihre Art. Ach so, und noch das zweitwichtigste nach ihrer Herzlichkeit: Sie kann manchmal wahnsinnig witzig sein. Manchmal ist sie eine Prinzessin und manchmal eben auch ein Clown. Man kann furchtbar schön mit ihr herumalbern, aber sie kann auch sehr ironisch sein. Zwei Beispiele: Wir beide wollten uns mit einer alten Bekannten von uns treffen, die das Treffen aber kurzfristig per sms mit der fadenscheinigen Begründung absagte, sie müsse auf eine Hochzeit. Daraufhin schrieb ihr meine Freundin: "Ja genau, ich habe auch keine Zeit, ich muss auch auf eine Hochzeit, meine eigene Hochzeit in Las Vegas" (Das war schon nachdem sie ihren Freund verlassen hatte.)

Jetzt komme ich zu dem weniger schönen Teil. Denn nach der Trennung von ihrem Freund kamen ziemlich schwierige Zeiten auf sie zu. Zuerst hatte ihre Mutter vor ca. 3 Jahren einen Schlaganfall. Und das auch noch auf der Geburtstagsfeier meiner Freundin. Der Schlag hat leider einiges an bleibenden Schäden bei ihrer Mutter verursacht hat, Sprachstörungen und Bewegungsstörungen. Man muss dazu wissen, dass sie - anders als ich - ein richtiger Familienmensch ist und sehr, sehr an ihren Eltern und ihrem Bruder hängt. (Mein Verhältnis zu meinen Eltern hier zu erklären wäre zu kompliziert, es ist auch nicht wahnsinnig schlecht, aber nicht so ungetrübt wie bei ihr). Ihre Mutter ist also ein sehr wichtiger Mensch für sie und sie hat sehr unter dieser Situation gelitten. Etwa 1 1/2 Jahre später hat dann auch noch meine Freundin selbst eine ziemlich beunruhigende Diagnose erhalten. Sie hat sogenannte Malformationen in ihrem Kopf, das heißt schlecht verwachsene Blutgefäße. Zwar wuchern sie nicht, aber es besteht die Gefahr, dass Hirnblutungen auftreten. Naja, und dann wurden auch noch Blutschwämmchen in ihrem Kopf entdeckt, die auf Multiple-Sklerose hindeuten könnten. Sie hatte also plötzlich 2 sehr erschreckende Diagnosen erhalten. Und das dritte Unglück folgte dann, als bei ihrem Vater Lungenkrebs festgestellt wurde. Man muss dazu sagen, dass sie einen sehr starken Willen hat und seelisch ein sehr starker Mensch ist. Aber soviel Unglück ist selbst für den unbeschwertesten Menschen wohl nur schwer zu ertragen. Insbesonder natürlich die Vorstellung wegen MS zum Pflegefall zu werden, ist ihr schwer auf die Nerven geschlagen. Ihrer Familie geht es darüber hinaus auch finanziell nicht mehr so gut, da der Vater auf eigene Kosten eine teure Behandlung in Deutschland bezahlt hat (in die griechischen Ärzte hatte er kein vertrauen) und weil zudem auch der Tourismus in Griechenland stark nachgelassen. Mein Freundin selbst arbeitet als Rechtsanwältin, was sich erstmal ja gut anhört. Leider gehört sie aber zu den vielen Anwälten, die trotz guter Ausbildung ausgebeutet werden. Sie verdient im Ergebnis nicht viel mehr als eine Kassiererin in Vollzeit. Hinzu kam, noch dass sie nach der Operation ihres Vater vorüberghend zu dritt mit ihren Eltern in ihrer 2 Zimmer-Wohnung wohnte. Der Vater hatte während dieser Zeit ziemliche Lungenbeschwerden und war ständig am Husten. Er musste aber zunächst in Deutschland bleiben, denn es sollten noch Nachuntersuchungen gemacht werden.

In letzter Zeit schien die Situation sich dann aber zum besseren zu wenden. Der Zustand ihres Vater, den sie abgöttisch liebt und der ihr immer viel wichtiger als ihr Exfreund war, hat sich stark gebessert. Er muss zwar eine Chemotherapie machen, aber die Heilungschancen stehen gut. Und zum großen Glück stellte sich heraus, dass der MS-Verdacht bei ihr nicht begründet war, was eine Liquoruntersuchung ergeben hatte.

So mit diesem Zwischenergebnis werde ich für heute schließen. Morgen werde ich aber endlich auf den EIGENTLICHEN Punkt kommen.

Viele Grüße, C.

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7. Mai 2013 um 21:39

15 Jahre (III)
Es verlief also scheinbar alles wieder in normalen Bahnen. Ich flirtet auch ein Bißchen mit ihr, wenn wir telefonierten. Es störte sie erkennbar nicht, sie sagte auch oft etwas nettes dazu, aber ich hatte nicht das Gefühl, dass es bei ihr richtig "funkte". Bestenfalls kamen - halb scherzhaft - solche Sachen wie: naja, wenn wir beide niemanden anderen finden, haben wir ja immer noch uns.

Dann rief ich an einem Sonntagabend Ende März wieder bei meiner Freundin an. Zu meiner Überraschung ging stattdessen ihr Bruder ans Telefon, der eigentlich nicht bei ihr wohnt. Ich fragte nach ihr, aber er sagte, sie sei im Krankenhaus. Ich dachte natürlich gleich an ihren Vater und fragte, ob ihm etwas passiert sei. Daraufhin erklärte ihr Bruder, nein, sie selbst sei im Krankenhaus, denn sie habe am vorangegangenen Freitag eine Hirnblutung erlitten, wohl wegen der Malformation. Daraufhin sei sie in ein künstliches Koma versetzt worden. Es sei ernst, wie es weitergehe sei völlig ungewiss. Mein erster Gedanke war natürlich, dass ich sofort zu ihr wollte, um sie zu sehen. Davon riet ihr Bruder mir aber ab. Man könne sie zur Zeit nicht besuchen, denn die Ärzte würde eine OP vorbereiten, um das Gefäß dauerhaft zu versiegeln. Also musste ich erst einmal auf neue Nachrichten warten. Diese waren aber weiterhin beunruhigend. Ihr Bruder rief mich einige Tage später an und hinterließ eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter. Danach sei ihr Hirndruck weiter gestiegen, die OP sei deshalb sogar abgesetzt worden. Ich hatte furchtbare Angst um ihr Leben. Und ich wusste nichts. Da ich ihren Bruder nur flüchtig kenne, habe ich seine Telefonnummer nicht und er hatte unglücklicherweise mit einer unterdrückten Nummer bei mir angerufen. Ich versuchte daher direkt bei der Klinik anzurufen, aber auf der Intensivstation wollte man mir keine Auskunft geben, weil ich kein naher Angehöriger bin. Schließlich konnte ich doch Kontakt zu ihrem Bruder herstellen, indem ich eine alte Email von ihr entdeckte, in der er in "cc" stand. (Es war so eine Nachricht, die man an seine besten Freunde verschicken kann, um ihnen "little known facts" mitzuteilen, wobei ich fast heulten musste, als ich zugleich dadurch erfuhr, dass ihr Lieblingsgericht Rippchen sind).

Die erlösende Nachricht kam dann vor etwa zwei Wochen, als ihr Bruder mir mitteilte, dass ihr Zustand sich bessere und sie langsam aus der Narkose geweckt werde. Anfang letzter Woche erfuhr ich dann, dass es ihr deutlich besser gehe und sie in eine Reha-Klinik verlegt werde. Dann bekam ich auch eine sms von ihr selbst, die jedoch mit dem Satz endete: "Ich rufe dich bald an. Im Moment kann ich noch nicht so gut sprechen." Sofort macht ich mir natürlich sorgen, dass sie eine Sprachbehinderung erlitten hatten. Diese Sorgen waren aber Gott sei dank ungerechtfertigt. Einige Tage rief sie mich endlich an. Und wir konnten uns ganz normal unterhalten. Es waren KEINE geistigen Defizite durch die Blutung entstanden. Sie erklärte mir, dass sie riesiges Glück gehabt habe, weil das Blut größtenteils in Bereiche des Kopfes geflossen sei, wo sich kein Gehirn befindet. Wir verabredeten uns für Sonntag, um sie in der Reha zu bersuchen.

Die Reise dorthin ist von Niedersachsen aus ziemlich weit. Ein alter Freund, den ich noch aus der Schulzeit kenne, hat mir jedoch angeboten, dass ich bei ihm von Samstag auf Sonntag übernachten kann, was ich dankend annahm, zumal ich ihn schon lange einmal wiedersehen wollte. Als ich am Samstagnachmittag dort angekommen war und ich zusammen mit seiner Ehefrau und seiner 2jährigen Tochter auf dem Balkon saß, fiel mir ein wie gerne ich eine Familie hätte ...

Am nächsten Tag fuhr ich dann endlich zu der Reha-Klinik. Ich war ein wenig erschöpft, als ich dort ankam, den die Klinik liegt in einer Hügellandschaft und ich bin das letzte Stück zu Fuß gegangen (ich hätte auch ein Taxi nehmen können, aber ich hatte einfach Lust mich zu bewegen). Am Empfang erhielt ich ihre Zimmernummer und die Dame dort beschrieb mir den Weg zu dem Zimmer meiner Freundin. Ich war sehr aufgeregt, denn ich wusste nicht genau, was mich erwartet. Vorher ging ich noch kurz auf eine Gästetoilette, um mich etwas zu waschen, denn ich war ein wenig verschwitzt wegen der Anstrengung. Dann fuhr ich in den dritten Stock und ging in ihr Zimmer. Sie sah etwas ramponiert aus, am Hals ein großes Pflaster auf dem Einschnittloch für die Intubation, einige Mal an dem Hals von Wasauchimmer, Einstichlöcher an den Armen wegen der Infusionen, es fehlten einige Haar, wo noch die Narbe der inzwischen entfernten Drainage war, aber für mich sah sie dennoch unglaublich bezaubernd aus. Wir nahmen uns in die Arme und unmarmten uns sehr, sehr lange. Sie erklärte mir dann, dass sie geistig völlig okay ist, was man auch sofort merkte, wenn man mit ihr sprach. Körperlich habe sie aber unter dem künstlichen Koma gelitten, da ihre Muskeln stark abgebaut hätten. Ich berührte ihre Beine und ihre Oberarme, um dies zu testen und es traf zu, sie waren ganz weich.

Wir entschieden uns dann zunächst draußen im Klinikpark spazieren zu gehen, denn es war ein sonniger Tag, der erste sonnige Tag nach langer Zeit. Sie hakte sich bei mir ein und so gingen wir zu der nächsten Parkbank. Dort unterhielten wir uns ein wenig, sie fragte nach meiner Reise. Irgendwie erwähnte ich dann, dass mich der Tag bei meinem guten Freund, wie er mit seiner Tochter gespielt und sie gefüttert hat und das Familienleben dort sehr berührt haben. Daraufhin meinte sie plötzlich: "Ich habe jemanden kennegelernt. Wir sind zusammen. Es war kurz bevor die Hirnblutung kam. Er hat mich während der ganzen Zeit, als es mir so schlecht ging, so rührend um mich gekümmert und war so fürsorglich. Ich bin in ihn verliebt." Ich sagte nichts. Dann sprachen wir nicht mehr über ihn. Sie halte sich wieder ein und wir gingen zur bis zur nächsten Bank. Wir verbrachten noch den ganzen restlichen Tag zusammen, redeten zusammen, sie war sogar schon wieder zu scherzen aufgelegt und konnte darüber lachen, als ich sagte: "Na Schneewittchen, wieder aufgewacht." (Sie steht auf so eine Art Humor). Zum Abschied nahm ich sie ganz, ganz lange in den Arm, so lange dass ich fast meinen Zug verpasste. Dann sagte ich: "Ich bin so froh, dass du lebst. Du bist einfach mein Lebensmensch." Sie sagte: "Danke, mein aller, allerbester Freund" und schloss mich nochmal in die Arme und wollte mich nicht loslassen.

Als ich mit dem Zug nach Hause fuhr,eine lange Reise durch viele verschiedene Landschaften, fiel mir ein Zitat von Thornton Wilder ein: "Das ist alles, was wir tun können: immer wieder von neuem anfangen, immer und immer wieder."

(So, obwohl es mir in den Fingern brannte viel mehr über meine Gefühle bei der Sache zu schreiben, die natürlich da waren, habe ich es nicht getan, weil mir die Erzählung so einfacht "besser" vorkam.)

Für Kommentare und Meinungen wäre ich dennoch sehr dankbar.

Viele Grüße, C.

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9. Mai 2013 um 8:00
In Antwort auf cayley_876243

15 Jahre (III)
Es verlief also scheinbar alles wieder in normalen Bahnen. Ich flirtet auch ein Bißchen mit ihr, wenn wir telefonierten. Es störte sie erkennbar nicht, sie sagte auch oft etwas nettes dazu, aber ich hatte nicht das Gefühl, dass es bei ihr richtig "funkte". Bestenfalls kamen - halb scherzhaft - solche Sachen wie: naja, wenn wir beide niemanden anderen finden, haben wir ja immer noch uns.

Dann rief ich an einem Sonntagabend Ende März wieder bei meiner Freundin an. Zu meiner Überraschung ging stattdessen ihr Bruder ans Telefon, der eigentlich nicht bei ihr wohnt. Ich fragte nach ihr, aber er sagte, sie sei im Krankenhaus. Ich dachte natürlich gleich an ihren Vater und fragte, ob ihm etwas passiert sei. Daraufhin erklärte ihr Bruder, nein, sie selbst sei im Krankenhaus, denn sie habe am vorangegangenen Freitag eine Hirnblutung erlitten, wohl wegen der Malformation. Daraufhin sei sie in ein künstliches Koma versetzt worden. Es sei ernst, wie es weitergehe sei völlig ungewiss. Mein erster Gedanke war natürlich, dass ich sofort zu ihr wollte, um sie zu sehen. Davon riet ihr Bruder mir aber ab. Man könne sie zur Zeit nicht besuchen, denn die Ärzte würde eine OP vorbereiten, um das Gefäß dauerhaft zu versiegeln. Also musste ich erst einmal auf neue Nachrichten warten. Diese waren aber weiterhin beunruhigend. Ihr Bruder rief mich einige Tage später an und hinterließ eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter. Danach sei ihr Hirndruck weiter gestiegen, die OP sei deshalb sogar abgesetzt worden. Ich hatte furchtbare Angst um ihr Leben. Und ich wusste nichts. Da ich ihren Bruder nur flüchtig kenne, habe ich seine Telefonnummer nicht und er hatte unglücklicherweise mit einer unterdrückten Nummer bei mir angerufen. Ich versuchte daher direkt bei der Klinik anzurufen, aber auf der Intensivstation wollte man mir keine Auskunft geben, weil ich kein naher Angehöriger bin. Schließlich konnte ich doch Kontakt zu ihrem Bruder herstellen, indem ich eine alte Email von ihr entdeckte, in der er in "cc" stand. (Es war so eine Nachricht, die man an seine besten Freunde verschicken kann, um ihnen "little known facts" mitzuteilen, wobei ich fast heulten musste, als ich zugleich dadurch erfuhr, dass ihr Lieblingsgericht Rippchen sind).

Die erlösende Nachricht kam dann vor etwa zwei Wochen, als ihr Bruder mir mitteilte, dass ihr Zustand sich bessere und sie langsam aus der Narkose geweckt werde. Anfang letzter Woche erfuhr ich dann, dass es ihr deutlich besser gehe und sie in eine Reha-Klinik verlegt werde. Dann bekam ich auch eine sms von ihr selbst, die jedoch mit dem Satz endete: "Ich rufe dich bald an. Im Moment kann ich noch nicht so gut sprechen." Sofort macht ich mir natürlich sorgen, dass sie eine Sprachbehinderung erlitten hatten. Diese Sorgen waren aber Gott sei dank ungerechtfertigt. Einige Tage rief sie mich endlich an. Und wir konnten uns ganz normal unterhalten. Es waren KEINE geistigen Defizite durch die Blutung entstanden. Sie erklärte mir, dass sie riesiges Glück gehabt habe, weil das Blut größtenteils in Bereiche des Kopfes geflossen sei, wo sich kein Gehirn befindet. Wir verabredeten uns für Sonntag, um sie in der Reha zu bersuchen.

Die Reise dorthin ist von Niedersachsen aus ziemlich weit. Ein alter Freund, den ich noch aus der Schulzeit kenne, hat mir jedoch angeboten, dass ich bei ihm von Samstag auf Sonntag übernachten kann, was ich dankend annahm, zumal ich ihn schon lange einmal wiedersehen wollte. Als ich am Samstagnachmittag dort angekommen war und ich zusammen mit seiner Ehefrau und seiner 2jährigen Tochter auf dem Balkon saß, fiel mir ein wie gerne ich eine Familie hätte ...

Am nächsten Tag fuhr ich dann endlich zu der Reha-Klinik. Ich war ein wenig erschöpft, als ich dort ankam, den die Klinik liegt in einer Hügellandschaft und ich bin das letzte Stück zu Fuß gegangen (ich hätte auch ein Taxi nehmen können, aber ich hatte einfach Lust mich zu bewegen). Am Empfang erhielt ich ihre Zimmernummer und die Dame dort beschrieb mir den Weg zu dem Zimmer meiner Freundin. Ich war sehr aufgeregt, denn ich wusste nicht genau, was mich erwartet. Vorher ging ich noch kurz auf eine Gästetoilette, um mich etwas zu waschen, denn ich war ein wenig verschwitzt wegen der Anstrengung. Dann fuhr ich in den dritten Stock und ging in ihr Zimmer. Sie sah etwas ramponiert aus, am Hals ein großes Pflaster auf dem Einschnittloch für die Intubation, einige Mal an dem Hals von Wasauchimmer, Einstichlöcher an den Armen wegen der Infusionen, es fehlten einige Haar, wo noch die Narbe der inzwischen entfernten Drainage war, aber für mich sah sie dennoch unglaublich bezaubernd aus. Wir nahmen uns in die Arme und unmarmten uns sehr, sehr lange. Sie erklärte mir dann, dass sie geistig völlig okay ist, was man auch sofort merkte, wenn man mit ihr sprach. Körperlich habe sie aber unter dem künstlichen Koma gelitten, da ihre Muskeln stark abgebaut hätten. Ich berührte ihre Beine und ihre Oberarme, um dies zu testen und es traf zu, sie waren ganz weich.

Wir entschieden uns dann zunächst draußen im Klinikpark spazieren zu gehen, denn es war ein sonniger Tag, der erste sonnige Tag nach langer Zeit. Sie hakte sich bei mir ein und so gingen wir zu der nächsten Parkbank. Dort unterhielten wir uns ein wenig, sie fragte nach meiner Reise. Irgendwie erwähnte ich dann, dass mich der Tag bei meinem guten Freund, wie er mit seiner Tochter gespielt und sie gefüttert hat und das Familienleben dort sehr berührt haben. Daraufhin meinte sie plötzlich: "Ich habe jemanden kennegelernt. Wir sind zusammen. Es war kurz bevor die Hirnblutung kam. Er hat mich während der ganzen Zeit, als es mir so schlecht ging, so rührend um mich gekümmert und war so fürsorglich. Ich bin in ihn verliebt." Ich sagte nichts. Dann sprachen wir nicht mehr über ihn. Sie halte sich wieder ein und wir gingen zur bis zur nächsten Bank. Wir verbrachten noch den ganzen restlichen Tag zusammen, redeten zusammen, sie war sogar schon wieder zu scherzen aufgelegt und konnte darüber lachen, als ich sagte: "Na Schneewittchen, wieder aufgewacht." (Sie steht auf so eine Art Humor). Zum Abschied nahm ich sie ganz, ganz lange in den Arm, so lange dass ich fast meinen Zug verpasste. Dann sagte ich: "Ich bin so froh, dass du lebst. Du bist einfach mein Lebensmensch." Sie sagte: "Danke, mein aller, allerbester Freund" und schloss mich nochmal in die Arme und wollte mich nicht loslassen.

Als ich mit dem Zug nach Hause fuhr,eine lange Reise durch viele verschiedene Landschaften, fiel mir ein Zitat von Thornton Wilder ein: "Das ist alles, was wir tun können: immer wieder von neuem anfangen, immer und immer wieder."

(So, obwohl es mir in den Fingern brannte viel mehr über meine Gefühle bei der Sache zu schreiben, die natürlich da waren, habe ich es nicht getan, weil mir die Erzählung so einfacht "besser" vorkam.)

Für Kommentare und Meinungen wäre ich dennoch sehr dankbar.

Viele Grüße, C.

@ gesendet am 7/05/13 um 21:39
Ich habe alles gelesen und merke, dass du in sie verliebt bist. Da war so ein Ende der Geschichte natürlich ein Schock für dich, vermute ich. Wie geht es dir jetzt?
Ich schätze, sie hat dich so sehr umarmt und "mein allerbester Freund" betont, weil sie möglicherweise ein schlechtes Gewissen hat, dass sie sich dann in einen anderen verliebt hat als aus euch nach all den Jahren auch etwas hätte werden können.

Meine Frage ist aber jetzt: worauf willst du hinaus?
Was willst du hören?
Was sind deine Überlegungen?
Du kannst zwar gut schreiben und dich ausdrücken, aber auf den Punkt gekommen bist du immer noch nicht.
Fragst du dich, ob sich das Blatt nochmals wenden kann zu euren Gusten?
Weißt du nicht, wie du jetzt mit ihr umgehen sollst?

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9. Mai 2013 um 13:31
In Antwort auf vena_11880019

@ gesendet am 7/05/13 um 21:39
Ich habe alles gelesen und merke, dass du in sie verliebt bist. Da war so ein Ende der Geschichte natürlich ein Schock für dich, vermute ich. Wie geht es dir jetzt?
Ich schätze, sie hat dich so sehr umarmt und "mein allerbester Freund" betont, weil sie möglicherweise ein schlechtes Gewissen hat, dass sie sich dann in einen anderen verliebt hat als aus euch nach all den Jahren auch etwas hätte werden können.

Meine Frage ist aber jetzt: worauf willst du hinaus?
Was willst du hören?
Was sind deine Überlegungen?
Du kannst zwar gut schreiben und dich ausdrücken, aber auf den Punkt gekommen bist du immer noch nicht.
Fragst du dich, ob sich das Blatt nochmals wenden kann zu euren Gusten?
Weißt du nicht, wie du jetzt mit ihr umgehen sollst?

So viele Fragen
Hallo Tanjabw,

vielen Dank für deine Antwort. Ich war sehr gespannt, welche Reaktionen ich mit meiner Geschichte hervorrufe.

Zuerst möchte ich mich für die Rechtsschreibfehler entschuldigen, besonders im letzten Teil. Ich war leider etwas angetrunken als ich das geschrieben habe. Leider entwickle ich in letzter Zeit ein gewisses Alkoholproblem, denn ich bin eben ein sehr einsame Mensch und trinke dann oft das eine oder andere Bier zu viel

Zu deiner Einschätzung, ob ich verliebt bin: Ich bin wahrscheinlich immer mal wieder in sie verliebt gewesen. Oft war ich aber natürlich auch in andere Mädchen (und Frauen) verliebt, ohne dass das Gefühl für sie ganz erloschen ist. Darüber hinaus ist sie eben auch die beste Kameradin, die man sich vorstellen kann und sie bedeutet mir auch als solche wahnsinnig viel. So richtig trennen kann ich diese ganzen Gefühle für sie aber auch nicht. Manchmal fühlt es sich auch fast so an, als ob man in seine Schwester verliebt ist.

In dem Moment als sie mir von ihrem neuen Freund erzählt hat, bekam ich natürlich schon ein sehr flaues Gefühl im Magen und ich fühlte mich, obwohl es ein warmer, sonniger Frühlinstag war, für einen Augenblick so, als ob ich in einen Eissturm geraten bin. Ich habe mich dann aber schnell wieder gesammelt, denn ich bin nach vielen ähnlichen Erfahrungen mit anderen Mädchen inzwischen ziemlich gut darin sowas wegzustecken. Außerdem habe ich es mit einem schwerkranken Menschen zu tun, dessen Interessen jetzt erstmal in allen Belangen vorgingen. Ehrlich gesagt hatte ich zugleich ein verdammt schlechtes Gewissen: Meine beste Freundin ist gerade noch einmal mit dem Leben davongekommen, sie muss für viele Wochen in die Reha, ihr berufliches Schicksal ist völlig offen und vor allem: die Grunderkrankung ist nicht geheilt, so dass erneut Hirnblutungen auftreten könnten. Und statt mich in dieser Situation darüber zu freuen, dass sie jemanden gefunden hat, der ihr beisteht und darüber hinaus auch noch recht nett und fürsorglich zu sein scheint, bin ich enttäuscht, dass sie uns beiden als Paar keine Chance gegeben hat.

Selbstverständlich werde ich meine Freundin auch in Zukunft nach besten Kräften unterstützen wie ich es auch in der Vergangenheit gemacht habe. Mit der neuen Situation umzugehen ist für mich kein großes Problem. Die meiste Zeit, in der wir uns kennen, hatte sie ja ohnehin einen Freund, so dass das nichts neues für mich ist. Wenn eines in meinem Leben sicher ist, dann, dass wir beide weiterhin die engsten Vertrauten füreinander bleiben. (Meine Gefühle für sie kann ich aber natürlich dennoch nicht ganz auslöschen. Wenn sie nach 15 Jahren noch da sind, gehen sie wohl nie ganz weg.)

Die Frage, bei der ich einen Rat gebrauchen könnte, ist höchsten, ob ich ihr meine Gefühle mittelbar zeige (durch Anspielungen, indem ich weiter mit ihr flirte, Körperkontakt suche, ihr Komplimente mache), ihr meine Gefühle vielleicht sogar einmal ganz deutlich erkläre und versuche mit ihr über die Situation zusprechen, oder ob ich die Situation einfach akzeptiere und nur noch freundschaftlich mit ihr umgehe.

Wäre sie gesund, dann würde ich möglicherweise versuchen, verstärkt um sie zu werben und ihrem neuen Freund Konkurrenz zu machen. Ganz chancenlos war ich bei ihr nicht. Sie hat durchaus auch mal gesagt, dass sie mich attraktiv findet (oder hat sie das nur gesagt, um mich aufzubauen?) und bei einem Treffen vor vielen Jahren in Kassel hatte ich das Gefühl, dass es "fast" bei ihr gefunkt hätte (oder habe ich mir das nur eingebildet?).
Aber in ihrem jetzigen Zustand ist das wohl keine gute Idee, weil das nur neuen Stress für sie bedeuten würde. Das gleiche gilt für eine Aussprache, von der ich in solchen Situationen ohnehin nicht viel halte. Irgendwie finde ich, dass deshalb der Satz von Wittgenstein passt: "Worüber man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen."

Ich hoffe, das hat wenigestens einige deiner Fragen beantwortet. Wenn du wissen willst, warum ich das alles schreibe: Wahrscheinlich um mir einfach mal die Erlebnisse von der Seele zu schreiben. Vielleicht gehört aber auch ein wenig Exhibitionismus dazu .

Viele Grüße, C.

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9. Mai 2013 um 18:43
In Antwort auf cayley_876243

So viele Fragen
Hallo Tanjabw,

vielen Dank für deine Antwort. Ich war sehr gespannt, welche Reaktionen ich mit meiner Geschichte hervorrufe.

Zuerst möchte ich mich für die Rechtsschreibfehler entschuldigen, besonders im letzten Teil. Ich war leider etwas angetrunken als ich das geschrieben habe. Leider entwickle ich in letzter Zeit ein gewisses Alkoholproblem, denn ich bin eben ein sehr einsame Mensch und trinke dann oft das eine oder andere Bier zu viel

Zu deiner Einschätzung, ob ich verliebt bin: Ich bin wahrscheinlich immer mal wieder in sie verliebt gewesen. Oft war ich aber natürlich auch in andere Mädchen (und Frauen) verliebt, ohne dass das Gefühl für sie ganz erloschen ist. Darüber hinaus ist sie eben auch die beste Kameradin, die man sich vorstellen kann und sie bedeutet mir auch als solche wahnsinnig viel. So richtig trennen kann ich diese ganzen Gefühle für sie aber auch nicht. Manchmal fühlt es sich auch fast so an, als ob man in seine Schwester verliebt ist.

In dem Moment als sie mir von ihrem neuen Freund erzählt hat, bekam ich natürlich schon ein sehr flaues Gefühl im Magen und ich fühlte mich, obwohl es ein warmer, sonniger Frühlinstag war, für einen Augenblick so, als ob ich in einen Eissturm geraten bin. Ich habe mich dann aber schnell wieder gesammelt, denn ich bin nach vielen ähnlichen Erfahrungen mit anderen Mädchen inzwischen ziemlich gut darin sowas wegzustecken. Außerdem habe ich es mit einem schwerkranken Menschen zu tun, dessen Interessen jetzt erstmal in allen Belangen vorgingen. Ehrlich gesagt hatte ich zugleich ein verdammt schlechtes Gewissen: Meine beste Freundin ist gerade noch einmal mit dem Leben davongekommen, sie muss für viele Wochen in die Reha, ihr berufliches Schicksal ist völlig offen und vor allem: die Grunderkrankung ist nicht geheilt, so dass erneut Hirnblutungen auftreten könnten. Und statt mich in dieser Situation darüber zu freuen, dass sie jemanden gefunden hat, der ihr beisteht und darüber hinaus auch noch recht nett und fürsorglich zu sein scheint, bin ich enttäuscht, dass sie uns beiden als Paar keine Chance gegeben hat.

Selbstverständlich werde ich meine Freundin auch in Zukunft nach besten Kräften unterstützen wie ich es auch in der Vergangenheit gemacht habe. Mit der neuen Situation umzugehen ist für mich kein großes Problem. Die meiste Zeit, in der wir uns kennen, hatte sie ja ohnehin einen Freund, so dass das nichts neues für mich ist. Wenn eines in meinem Leben sicher ist, dann, dass wir beide weiterhin die engsten Vertrauten füreinander bleiben. (Meine Gefühle für sie kann ich aber natürlich dennoch nicht ganz auslöschen. Wenn sie nach 15 Jahren noch da sind, gehen sie wohl nie ganz weg.)

Die Frage, bei der ich einen Rat gebrauchen könnte, ist höchsten, ob ich ihr meine Gefühle mittelbar zeige (durch Anspielungen, indem ich weiter mit ihr flirte, Körperkontakt suche, ihr Komplimente mache), ihr meine Gefühle vielleicht sogar einmal ganz deutlich erkläre und versuche mit ihr über die Situation zusprechen, oder ob ich die Situation einfach akzeptiere und nur noch freundschaftlich mit ihr umgehe.

Wäre sie gesund, dann würde ich möglicherweise versuchen, verstärkt um sie zu werben und ihrem neuen Freund Konkurrenz zu machen. Ganz chancenlos war ich bei ihr nicht. Sie hat durchaus auch mal gesagt, dass sie mich attraktiv findet (oder hat sie das nur gesagt, um mich aufzubauen?) und bei einem Treffen vor vielen Jahren in Kassel hatte ich das Gefühl, dass es "fast" bei ihr gefunkt hätte (oder habe ich mir das nur eingebildet?).
Aber in ihrem jetzigen Zustand ist das wohl keine gute Idee, weil das nur neuen Stress für sie bedeuten würde. Das gleiche gilt für eine Aussprache, von der ich in solchen Situationen ohnehin nicht viel halte. Irgendwie finde ich, dass deshalb der Satz von Wittgenstein passt: "Worüber man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen."

Ich hoffe, das hat wenigestens einige deiner Fragen beantwortet. Wenn du wissen willst, warum ich das alles schreibe: Wahrscheinlich um mir einfach mal die Erlebnisse von der Seele zu schreiben. Vielleicht gehört aber auch ein wenig Exhibitionismus dazu .

Viele Grüße, C.

@gesendet am 9/05/13 um 13:31
Schön, dass du ihr auch weiterhin zur Seite stehen willst. Ich würde nicht mit ihr flirten sondern dir überlegen, ob du ihr vielleicht nach einiger Zeit, wenn ihr Zustand immer noch stabil ist, sagst, was du für sie empfindest.

Vielleicht entwickelt sich das mit dem neuen Mann ja auch gar nicht so gut.

Ich habe dir eine PN geschickt.

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27. Mai 2013 um 3:24
In Antwort auf cayley_876243

So viele Fragen
Hallo Tanjabw,

vielen Dank für deine Antwort. Ich war sehr gespannt, welche Reaktionen ich mit meiner Geschichte hervorrufe.

Zuerst möchte ich mich für die Rechtsschreibfehler entschuldigen, besonders im letzten Teil. Ich war leider etwas angetrunken als ich das geschrieben habe. Leider entwickle ich in letzter Zeit ein gewisses Alkoholproblem, denn ich bin eben ein sehr einsame Mensch und trinke dann oft das eine oder andere Bier zu viel

Zu deiner Einschätzung, ob ich verliebt bin: Ich bin wahrscheinlich immer mal wieder in sie verliebt gewesen. Oft war ich aber natürlich auch in andere Mädchen (und Frauen) verliebt, ohne dass das Gefühl für sie ganz erloschen ist. Darüber hinaus ist sie eben auch die beste Kameradin, die man sich vorstellen kann und sie bedeutet mir auch als solche wahnsinnig viel. So richtig trennen kann ich diese ganzen Gefühle für sie aber auch nicht. Manchmal fühlt es sich auch fast so an, als ob man in seine Schwester verliebt ist.

In dem Moment als sie mir von ihrem neuen Freund erzählt hat, bekam ich natürlich schon ein sehr flaues Gefühl im Magen und ich fühlte mich, obwohl es ein warmer, sonniger Frühlinstag war, für einen Augenblick so, als ob ich in einen Eissturm geraten bin. Ich habe mich dann aber schnell wieder gesammelt, denn ich bin nach vielen ähnlichen Erfahrungen mit anderen Mädchen inzwischen ziemlich gut darin sowas wegzustecken. Außerdem habe ich es mit einem schwerkranken Menschen zu tun, dessen Interessen jetzt erstmal in allen Belangen vorgingen. Ehrlich gesagt hatte ich zugleich ein verdammt schlechtes Gewissen: Meine beste Freundin ist gerade noch einmal mit dem Leben davongekommen, sie muss für viele Wochen in die Reha, ihr berufliches Schicksal ist völlig offen und vor allem: die Grunderkrankung ist nicht geheilt, so dass erneut Hirnblutungen auftreten könnten. Und statt mich in dieser Situation darüber zu freuen, dass sie jemanden gefunden hat, der ihr beisteht und darüber hinaus auch noch recht nett und fürsorglich zu sein scheint, bin ich enttäuscht, dass sie uns beiden als Paar keine Chance gegeben hat.

Selbstverständlich werde ich meine Freundin auch in Zukunft nach besten Kräften unterstützen wie ich es auch in der Vergangenheit gemacht habe. Mit der neuen Situation umzugehen ist für mich kein großes Problem. Die meiste Zeit, in der wir uns kennen, hatte sie ja ohnehin einen Freund, so dass das nichts neues für mich ist. Wenn eines in meinem Leben sicher ist, dann, dass wir beide weiterhin die engsten Vertrauten füreinander bleiben. (Meine Gefühle für sie kann ich aber natürlich dennoch nicht ganz auslöschen. Wenn sie nach 15 Jahren noch da sind, gehen sie wohl nie ganz weg.)

Die Frage, bei der ich einen Rat gebrauchen könnte, ist höchsten, ob ich ihr meine Gefühle mittelbar zeige (durch Anspielungen, indem ich weiter mit ihr flirte, Körperkontakt suche, ihr Komplimente mache), ihr meine Gefühle vielleicht sogar einmal ganz deutlich erkläre und versuche mit ihr über die Situation zusprechen, oder ob ich die Situation einfach akzeptiere und nur noch freundschaftlich mit ihr umgehe.

Wäre sie gesund, dann würde ich möglicherweise versuchen, verstärkt um sie zu werben und ihrem neuen Freund Konkurrenz zu machen. Ganz chancenlos war ich bei ihr nicht. Sie hat durchaus auch mal gesagt, dass sie mich attraktiv findet (oder hat sie das nur gesagt, um mich aufzubauen?) und bei einem Treffen vor vielen Jahren in Kassel hatte ich das Gefühl, dass es "fast" bei ihr gefunkt hätte (oder habe ich mir das nur eingebildet?).
Aber in ihrem jetzigen Zustand ist das wohl keine gute Idee, weil das nur neuen Stress für sie bedeuten würde. Das gleiche gilt für eine Aussprache, von der ich in solchen Situationen ohnehin nicht viel halte. Irgendwie finde ich, dass deshalb der Satz von Wittgenstein passt: "Worüber man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen."

Ich hoffe, das hat wenigestens einige deiner Fragen beantwortet. Wenn du wissen willst, warum ich das alles schreibe: Wahrscheinlich um mir einfach mal die Erlebnisse von der Seele zu schreiben. Vielleicht gehört aber auch ein wenig Exhibitionismus dazu .

Viele Grüße, C.

Unglaublich traurig...
ich hab mir (obwohl es schon sehr spät ist) die ganze Geschichte durchgelesen und bin interessanter weise draufgekommen das ich in einer ähnlich situation stecke wie du anfangs geschildert hast... naja und Gott sei dank ohne diese wirklich unglaublich tragischen Ereignissen (aber Gehirnblutung ist wahrscheinlich das bessere Los als MS- also jetzt zu deiner Freundin) naja ausserdem bin ich in unserer Freundschaft der andere, weibliche Teil.
Und was ich sagen möchte ist: Sie liebt dich unendlich, wenn auch nur Freundschaftlich (also so wie ich das jetzt mal einschätze) allerdings hattet ihr beide nie den Mut eure Freundschaft für eine Beziehung aufs Spiel zu setzten.
Was wohl wichtig wäre, zügle deinen Alkoholgenuss der tut weder ihr noch euerer Freundschaft gut.
Versuche einfach bei den Frauen präsenter zu sein, du scheinst ein wirklich sympathischer und interessanter Mensch zu sein (anspielung auf das Torten Wilder Zitat )
Lass eure Freundschaft Freundschaft sein, denn da hast du nach 15 Jahren eine gewisse Gewissheit das es funktioniert.
und ja nach meiner Erkenntnis bist du definitiv in sie verliebt...
Ach ja und was ich eigentlich schreiben wollte: schreib ein Buch!! die Geschichte ist total tragisch (kannst sie ja da und dort abändern und ein passendes Ende finden)
ich hoffe ich konnte dir irgendwie helfen, da mein Wortsalat etwas unleserlich ist...
naja
Beste Wünsche Fili
(wer die Rechtschreibfehler gefunden hat, darf sie gerne mit nach Hause nehmen )

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