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17. Mai 2012 um 1:45

Es war der erste Schultag in der Oberstufe eines Gymnasiums. Es war zwar keine neue Schule, ich kannte eigentlich schon alles. Dennoch war ab diesem Tag alles anders. Ich kam in die Klasse. Natürlich zuspät. Wie immer. Aber das kannten die Lehrer schon von mir. Ich gab mir immer viel Mühe, um mich diesbezüglich zu bessern, aber ich bin bis heute eine notorische "Zuspätkommerin".
Wer weiß, wenn ich an diesem Tag 5 Min früher da gewesen wäre, hätte mich ein Bus überfahren? Als die Lektion mit der Pünktlichkeit im Kindergarten dran kam, hab ich wohl gefehlt. War vlt. ganz gut so. Das hat mich immerhin an diesem einen Tag dort hin gebracht.
Ich kam in die Klasse. Ungewöhnlich voll. Es gab viele neue Schüler. Bunter Haufen.
Sie haben mich alle angestarrt. Die Lehrerin rollte nur mit den Augen. Das war sie schon gewöhnt. Ich ging also rein, ziemlich durch den Wind. Haare ein bisschen zerzaust, rote Wangen, weil ich bis zur Tür gejoggt bin usw. Trotzdem mit einem Lächeln.
Ich ging nach hinten. Ja, mein Platz war ganz weit hinten am Fenster. Wieso auch nicht, es war perfekt für jmd der sich kaum für das "Gelabber" mancher(!) Lehrer interessiert.
Sie starrten immernoch.
Plötzlich sah ich ihn. Es war ... unbeschreibbar. Ich kannte ihn nicht, hatte ihn noch nie zuvor gesehn. Aber ich wusste, er wird noch eine Rolle in meinem Leben spielen. Ich malte mir schon alles mögliche aus. Eine Zukunft. Wie es wohl wäre. Aber das ist nur normal. Ich bin eine Träumerin.
"Wer ist sie?" flüsterte er seinem Sitznachbarn zu. Dann sah er mich an.
Es gibt Momente im Leben. Da.. weiß man, dass sich etwas ändern wird. Zum Besseren. Aufgrund einer Einzigen Person.
Einfach nur aufgrund der Existenz dieser Person.


Wir wurden Freunde. Gute Freunde. Aber wir hatten immer mehr im Hinterkopf. Ich wollte es mir nicht sofort eingestehen.

Eines Tages saß er vor mir. Im Unterricht. Er drehte sich um, und legte seine Hand auf meine. Sah mich an. Voller Hoffnungen.
Mein Sitznachbar sah mich mit einem "Was soll das jetz, wie seit ihr denn drauf"-Blick an.
Woraufhin ich einen der größten Fehler meines Lebens machte.
Ich zog meine Hand weg und hab ihn abgewiesen.

Er war intelligent. Gutaussehend. Er viel sofort auf. Seine Art zu reden, sein Humor. Er war einzigartig. Er war engariert. Obwohl er erst seit 3 Wochen an der Schule war, ließ er sich als Kandidat für das Amt des Schulsprechers aufstellen. Er wurde Stellvertreter. Er war, um es ganz einfach auszudrücken. Ein Mensch voller Energie, Lebenslust, Träume.

Er erschien 3 Tage nicht zum Unterricht. Es war ungewöhnlich. Aber es viel mir zuerst nicht auf, weil ich wahrscheinlich gerade damit beschäftigt war mich vorm Lernen zu drücken. Kann übrigens echt stressig sein.

Ich erhielt einen Anruf. Er war dran. Er sagte es einfach so. Als ob wir über das Wetter sprechen würden.
Krebs. Im fortgeschrittenen Stadium.


Dann kamen Therapien, es verging einige Zeit.
Es wurde besser.
Wir freuten uns darauf ihn im September in der Schul wiederzusehen, so wie sein Arzt uns das erzählte.

Dann kam eine Sms. "Er liegt im Sterben".

Dann kamen 3 Tage in denen niemand wusste, ob er noch lebt oder nicht.
Dann kam der vierte Tag.
2:18 Uhr.
"Sie haben die Geräte abgestellt"


Meine Welt brach zusammen.

Ich schrie, Tagelanges übergeben. Ein starrer Blick in die Leere.

Absolute Leere.

Seit dem habe ich unbewusst Menschen in mein Leben treten lassen die mir kurzzeitig das Gefühl gaben, nicht allein zu sein.

Aber ich machte mir was vor.

Und ich mache mir was vor indem ich immernoch daran glaube, dass es irgendwann wieder so einen Menschen geben wird, der mir -außer meiner Familie- so viel bedeutet.

Ich habe alles falsch gemacht.

Ich kann nicht darüber hinwegkommen.

Ich kann Jahre danach nicht normal weitermachen.
Jedes mal wenn jemand anruft sage ich nicht "Hallo, wie gehts?" Ich sage "Was ist passiert?"

Und es ist kein Ende in Sicht.

Macht euch nichts vor. Es gibt keinen Gott.

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17. Mai 2012 um 23:18

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"glaube hilft dir", "gott liebt alle". sowas hört man meistens wenn was schlimmes passiert. das ist ein schlechter scherz. ich verstehe leute nicht, die an gott glauben. daher die aussage.
ich respektiere es, aber ich glaube nicht daran und habe es satt so etwas zu hören. ist das verständlich=

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23. Mai 2012 um 22:18

Gott
die welt ist schlecht
es gibt keinen gott

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